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Deliktische Gehilfenhaftung und Haftung wegen Organisationsverschuldens nach russischem und deutschem Recht im Rechtsvergleich

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Natalia Chor

Diese Arbeit beschäftigt sich mit den aktuellen Aspekten des modernen Zivilrechts – mit der deliktischen Haftung für Gehilfen und Haftung wegen der Verletzung einer Organisationspflicht. Die Arbeit bietet eine umfassende Analyse der entsprechenden gesetzlichen Regelungen sowie der Rechtsprechung im russischen und im deutschen Recht aus rechtsvergleichender Perspektive. Angesichts der breiten Geschäftsbeziehungen zwischen Russland und Deutschland ist die durchgeführte rechtsvergleichende Untersuchung der Fragen der deliktischen Gehilfenhaftung sowie der Haftung wegen Organisationsverschuldens nicht nur wissenschaftlich, sondern auch im Hinblick auf die Praxis von hoher Relevanz.

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KAPITEL 1. DELIKTISCHE GEHILFENHAFTUNG UND HAFTUNG WEGEN ORGANISATIONSVERSCHULDENS NACH DEUTSCHEM RECHT

KAPITEL 1. DELIKTISCHE GEHILFENHAFTUNG UND HAFTUNG WEGEN ORGANISATIONSVERSCHULDENS NACH DEUTSCHEM RECHT

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Der aktuelle Regelungsinhalt von § 831 Abs. 1 BGB5 sorgt in der Praxis und in der Literatur seit langer Zeit für Diskussionen. Vor einer Erörterung der Einzelprobleme ist es wichtig, einen Rückblick auf die Entstehungsgeschichte dieser Vorschrift zu werfen. Dabei hilft das Betrachten der historischen Wurzeln, die Hintergründe des Regelungsinhalts besser verstehen zu können.

Die Entstehungsgeschichte von § 831 Abs. 1 BGB geht bis auf das römische Recht zurück. Allerdings kannte das römische Recht keine allgemeine Regelung zur Gehilfenhaftung, sondern es existierten mehrere unterschiedliche Tatbestände der Gehilfenhaftung.6

Im außervertraglichen Bereich gab es die Haftung des Familienoberhaupts und Hausherren für Delikte (maleficium) seiner Hauskinder und Sklaven, die sog. Noxalhaftung. Auf ein eigenes Verschulden des paterfamilias (Familienoberhauptes) und dominus (Hausherren) kam es dabei nicht an.7 Außerdem hafteten nautae, caupones und stabularii (Reeder, Herbergs- und Stallwirte) für Delikte, die ihre Leute auf dem Schiff und im Wirtshaus, wie zum Beispiel für Sachentziehung und -beschädigungen, begingen.8 In einigen Fällen wurde auf das Auswahlverschulden des Haftenden verwiesen.9

Im Vertragsrecht hingegen bestand bei einigen Vertragsverhältnissen eine sog. custodia-Haftung, also eine Haftung für Zufall mit Ausnahme der Haftung für höhere Gewalt.10 Als Begründung dieser strengen Haftung galt das Argument der Gefahrtragung durch den Vorteilsbesitzenden (sog. Utilitätsprinzip11). Daneben kannte das römische Recht auch die Gehilfenhaftung für Auswahlverschulden des Geschäftsherrn.12

Aus dieser kurzen Darstellung ist somit ersichtlich, dass...

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