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Zbigniew Herbert und Österreich

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Edited By Przemysław Chojnowski

Es besteht kein Zweifel darüber, dass die internationale Karriere Zbigniew Herberts Mitte der 1960er Jahre in Österreich begann. Die Idee des vorliegenden Buches entstand im Rahmen des literarischen Abends «Auf den Spuren von Zbigniew Herbert in Österreich» der am Vorabend des in Polen begangenen Zbigniew-Herbert-Jahres 2018 in Wien stattfand. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand der österreichische Kontext im Werk des polnischen Autors (1924–1998), dessen Familie aus England stammend über Wien in die Hauptstadt Galiziens Lemberg kam. Der Band widmet sich ausgewählten Texten Herberts und geht auf zum Teil wenig bekannte Fakten aus der Biographie des Lyrikers und Essayisten ein, die dessen enge Verbindungen zu Österreich belegen.

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Małgorzata Bogaczyk-Vormayr: „Die Glocke der Erinnerung“: Zbigniew Herbert und Jean Améry

„Die Glocke der Erinnerung“: Zbigniew Herbert und Jean Améry

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Małgorzata Bogaczyk-Vormayr

Prof. Ewa Nowak gewidmet – in Dankbarkeit für jede

Unterstützung und die gute Zusammenarbeit am

Institut für Philosophie der Universität Posen

„Die Glocke der Erinnerung weckt nicht Gespenster oder Albe / die Glocke der Erinnerung wiederholt die große Vergebung“,1 schrieb Zbigniew Herbert im Jahre 19782 in Erinnerung – an Jean Améry. In dem Gedicht, welches Herbert nach Amérys Suizid verfasste und welches erst nach seinem eigenen Tod veröffentlicht wurde, kommt zum Ausdruck, was die beiden verbunden, sie ihr ganzes Leben lang begleitet hatte und sich zum beherrschenden Inhalt ihrer Werke formierte: die Klage, dass die Schuld ausgeräumt werde, damit man auf den Plätzen der Folter und der Vernichtung die (sogenannte) neue Welt aufbauen könne.

Ich möchte die Begegnung von Zbigniew Herbert und Jean Améry zwischen zwei anderen Ereignissen situieren: Von Ende August bis Anfang September 1975 besuchte Herbert das Europäische Forum Alpbach, wo er an einem Panel teilgenommen hat. Danach verbrachte er eine erholsame Zeit im Salzkammergut und gemeinsam mit seiner Frau, in Begleitung von Wolfgang Kraus, besuchte er Améry und dessen Frau Marie Leitner in Hallstatt.3 Kurze Zeit später, noch im September 1975, hielt Herbert an der Berliner Akademie der Künste einen ←43 | 44→Vortrag mit dem Titel „Die Gegenwart der Geschichte“.4 Er sprach dort über die Verweigerung der „dunklen Vergangenheit“, die Ballast auf dem Weg „zur schönen...

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