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Zbigniew Herbert und Österreich

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Edited By Przemysław Chojnowski

Es besteht kein Zweifel darüber, dass die internationale Karriere Zbigniew Herberts Mitte der 1960er Jahre in Österreich begann. Die Idee des vorliegenden Buches entstand im Rahmen des literarischen Abends «Auf den Spuren von Zbigniew Herbert in Österreich» der am Vorabend des in Polen begangenen Zbigniew-Herbert-Jahres 2018 in Wien stattfand. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand der österreichische Kontext im Werk des polnischen Autors (1924–1998), dessen Familie aus England stammend über Wien in die Hauptstadt Galiziens Lemberg kam. Der Band widmet sich ausgewählten Texten Herberts und geht auf zum Teil wenig bekannte Fakten aus der Biographie des Lyrikers und Essayisten ein, die dessen enge Verbindungen zu Österreich belegen.

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Przemysław Chojnowski: „Sie sind der spiritus movens von dieser erfreulichen Tatsache.“

„Sie sind der spiritus movens von dieser

erfreulichen Tatsache.“

Wolfgang Kraus’ Beitrag zum literarischen

Erfolg von Zbigniew Herbert (1963–1966)

Extract

Przemysław Chojnowski

Der renommierte Österreichische Staatspreis für Europäische Literatur1 – verliehen erstmalig an Zbigniew Herbert in Wien am 25. Oktober 1965 – bedeutete den Durchbruch in der literarischen Karriere des Autors. Es war die erste und zweifellos die wichtigste Auszeichnung, die der Lyriker außerhalb seines Landes und abseits des polnischen Emigrantenmilieus erhielt. Der Preis gab ihm die Möglichkeit, seine literarische Arbeit in Wien fortzusetzen, etablierte die Position des Schriftstellers im Ausland und eröffnete ihm den Weg zu den literarischen Salons Münchens, Stuttgarts, Frankfurts, Hamburgs und Berlins2. Außerdem konnte Herbert in Westeuropa eine weitere Reise an die Wiege der abendländischen Kultur unternehmen, und zwar nach Italien. Im Spätherbst 1966 berichtete die deutsche Presse über Herbert als einen der Kandidaten für den Nobelpreis für Literatur.3 Einige Zeit später wurde der Lyriker zum korrespondierenden Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste in München ernannt.

Die Verleihung des Internationalen Lenau-Preises an den polnischen Autor fiel mit der Intensivierung der Kulturpolitik Wiens in Bezug auf Polen zusammen. In demselben Jahr wurde in Warschau das österreichische Kulturzentrum errichtet, welches als das „Fenster in den Westen“4 galt. Das Kulturinstitut wurde im Zuge der Erweiterung der seit 1964 bestehenden „österreichischen Lesehalle“ aufgebaut. In der Volksrepublik Polen war es die erste westeuropäische Kultureinrichtung dieser Art. Sie diente von Anfang an als wesentlicher Anlaufpunkt und Ort des Dialoges für polnische regimekritische Intellektuelle, deren Kreis etwa Tadeusz Mazowiecki, Władys...

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