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Deutschsprachige Zionismen

Verfechter, Kritiker und Gegner, Organisationen und Medien (1890–1938)

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Edited By Lisa Sophie Gebhard and David Hamann

Der moderne Zionismus bildete nie eine politische Einheit, sondern vielmehr eine heterogene Bewegung. Wie ihre ZeitgenossInnen waren auch die ZionistInnen in ihrer ideologisch-politischen Entwicklung von gängigen Wissens- und Ideenbeständen beeinflusst und verhandelten in dieser Zeitgebundenheit ihre Vision(en) von einer künftigen jüdischen Heimstätte. Die Beiträge dieses Bandes analysieren AkteurInnen, Agitationsmittel und Diskurse innerhalb der vielseitigen zionistischen Bewegung, die als ‚Zionismen‘ apostrophiert werden. Die AutorInnen hinterfragen herkömmliche Narrative im Hinblick auf individuelle und kollektive Strategien der Identitätsbildung. Sie beleuchten zudem das spannungsreiche Verhältnis der ZionistInnen untereinander sowie ihre ambivalenten Beziehungen zu nichtzionistischen Gruppen.

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Tilmann Gempp-Friedrich: Gemeinsame Brüche. Centralverein und Zionistische Vereinigung vor dem Ersten Weltkrieg

Gemeinsame Brüche.

Centralverein und Zionistische Vereinigung

vor dem Ersten Weltkrieg

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Tilmann Gempp-Friedrich

The article will discuss the connections and conflicts between the ‚Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens‘ (C.V.) and the ‚Zionistische Vereinigung für Deutschland‘ (ZVfD) at the period before World War One. A close examination of crucial moments in the first two decades of the organizations, will demonstrate their shared ideological ground which was blurred later on.

Seit der Aufklärung befanden sich Institutionen, die alle Rollenbezüge beherrschten und auf Ausschließlichkeit beruhten, vermehrt in Auflösung. Trotz des Abnehmens von religiös und lebensweltlich bestimmenden Einflüssen von Gemeinschaften war es vielen Menschen wichtig, sich weiterhin in einem kollektiven Kontext zu organisieren. So wurden, nicht nur im jüdischen Kontext, unterschiedliche Angebote gemacht, die eigene Identität in eine gemeinschaftlich erlebte einzubinden. Das Judentum in Deutschland betrachtend, kann man den ‚Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens‘ (C.V.)1 und die ‚Zionistische Vereinigung für Deutschland‘ (ZVfD)2 aus der Masse der unzähligen, ←59 | 60→sich seit den 1850er Jahren gründenden jüdischen Vereinen hervorheben. Das liegt in dem Umstand begründet, dass beide gerade keinen abgrenzbaren Teilaspekt jüdischer Identität bedienten, sondern versuchten, ein Angebot zu machen, das ähnlich allumfassend war wie das Gemeinleben in voraufklärerischen Zeiten des jüdischen Ghettos.

Ziel war nicht die körperliche (und politische) Ertüchtigung wie bei den vielen zionistischen, aber auch nichtzionistischen Sportvereinen3 oder die Zusammenkunft und das Bilden von Netzwerken wie bei den studentischen Verbindungen4. Es...

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