Show Less
Restricted access

Wiener Slawistischer Almanach Band 82/2019

Nostalgie. Ein kulturelles und literarisches Sehnsuchtsmodell. Tagung in München April 2017

Series:

Edited By Brigitte Obermayr, Anja Burghardt and Aage A. Hansen-Löve

Der Band enthält 21 Beiträge, die aus der Münchener Tagung zum Thema «Nostalgie. Ein kulturelles Sehnsuchtsmodell» (April 2017) hervorgegangen sind. Allesamt sind sie dem literarischen bzw. kulturellen Phänomen der Nostalgie in den osteuropäischen Literaturen (zumal der russischen, der polnischen und den südslawischen) gewidmet. Es geht um kulturelle Sehnsuchtsorte (vom Dnepr bis nach Odessa, vom alten Ägypten zum mythischen Kitež) bei den Klassikern bis hin zu Vertretern der Moderne und der Gegenwartsliteratur. Ausgangspunkt aller Darstellungen ist die theoretische Vertiefung des Nostalgie-Konzepts in unterschiedlichen kulturellen und literarischen Kontexten. Unter anderen werden folgende Autoren behandelt: Gogol’, Gončarov, Čechov, Bal’mont, Platonov, Ėjchenbaum und Benjamin, Tynjanov, Miłosz, Nabokov und Brodskij, Konopnicka, Ugrešic, Šepitka, Prilepin u.v.a.

Show Summary Details
Restricted access

Christian Zehnder (Fribourg), Kampf mit dem Sentiment. Aktivismus und Nostalgie bei den polnischen Dichtern des ,Jahrgangs 1920‘ (der Fall von Sztuka i Naród)

KAMPF MIT DEM SENTIMENT. AKTIVISMUS UND NOSTALGIE BEI DEN POLNISCHEN DICHTERN DES ‚JAHRGANGS 1920‘ (DER FALL VON SZTUKA I NARÓD)

Extract

Christian Zehnder

„Littérature = nostalgie.“ Albert Camus, Carnets (fin août 42)

Der polnische ‚Jahrgang 1920‘1 steht für eine Generation von Dichtern, die, wie es ein Zeitzeuge formulierte, „programmatisch unsentimental war, obwohl ihre Werke [aus der Okkupationszeit] oft eher vom Gegenteil zeugten.“2 Und man kann das noch zuspitzen, indem man hinzufügt: die ihr Selbstverständnis als Generation an ihrer Haltung zur Nostalgie festmachte – daran, wie effektiv sie sich der Nostalgie zu entziehen oder sie neu zu besetzen vermochte. Dieses Bild ist pauschal, und das Problem beginnt nicht erst mit der Nostalgie, sondern schon beim Begriff der Generation. Was die Vertreter der polnischen ‚Kriegsgeneration‘ (pokolenie wojenne), wie sie auch genannt wird, verbindet, ist der Umstand, dass sie kurz nach 1918 in ein unabhängiges Polen geboren und in einer Zeit groß wurden, die 1939 mit dem Überfall Hitler-Deutschlands auf Polen endete – in der ‚zwanzigjährigen Zwischenkriegszeit‘ (dwudziestolecie międzywojenne). Viele Dichter der Generation debütierten während der Okkupation in Untergrundzeitschriften und -verlagen oder bald nach Kriegsende, noch vor der Ausrufung des Sozialistischen Realismus in Polen (1949). Indessen ist fraglich, inwiefern dieser äußere Rahmen, so entscheidend er geschichtlich und auch jeweils biographisch ist, eine vereinheitlichende Aussage über so ver←407 | 408→schiedene Autoren wie Tadeusz Różewicz (1921-2014), Krzysztof Kamil Baczyński (1921-1944), Miron Białoszewski (1922-1983), Tadeusz Borowski (1922-1951) oder, unwesentlich jünger, Wisława Szymborska (1923-2012) und Zbigniew Herbert (1924-1998) erlaubt. Diese Frage steht allerdings auch nicht im Fokus des...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.