Show Less
Restricted access

Dynamische Approximationen

Festschriftliches pünktlichst zu Eva Lavrics 62,5. Geburtstag

Series:

Edited By Marietta Calderón and Carmen Konzett-Firth

Der vorliegende Band ist der Romanistin Eva Lavric als Festschrift gewidmet. Er spiegelt durch die Auswahl der Beiträge Eva Lavrics wissenschaftliches Œuvre und ihre vielfältige internationale Vernetzung wider. Die Beiträge nehmen häufig eine kontrastivlinguistische Perspektive ein, beschäftigen sich aber nicht nur mit dem Deutschen und dem Französischen, sondern gehen weit darüber hinaus. Methodologisch spannt sich der Bogen von theoretischen Modellierungen und klassischen systemlinguistischen Beschreibungen syntaktischer oder semantischer Phänomene über diskursanalytische Ansätze und neue soziolinguistische Methoden wie dem  «linguistic landscaping» bis hin zur Korpuslinguistik und Interaktionsforschung.

Show Summary Details
Restricted access

Jakob Wüest (Zürich): Eine Textsorte im Umbruch. Geschichtslehrbücher zwischen Erzählung und Didaktik

Eine Textsorte im Umbruch. Geschichtslehrbücher zwischen Erzählung und Didaktik

Extract

Jakob Wüest (Zürich)

Die Geschichtsschreibung gilt ihrem Wesen nach als narrativ. Man erzählt Geschichte, so wie man auch Geschichten erzählt. Besteht aber wirklich kein Unterschied zwischen dem historischen und dem literarischen Erzählen? Besitzt die Geschichte nicht einen Wahrheitsanspruch, den die fiktionale Literatur nicht kennt? Kann man trotzdem, wie dies der amerikanische Literaturwissenschaftler Hayden White 1973 in einem Aufsehen erregenden Buch (White 1973) getan hat, ganz einfach die Kriterien des literarischen Erzählens auf das geschichtliche Erzählen übertragen?

Und wie steht es mit den HistorikerInnen, die sich explizit von der traditionellen histoire-récit abgewandt hatten? Dazu gehörten insbesondere die VertreterInnen der französischen Annales-Schule. Der Philosoph Paul Ricœur (1983: 137 ff.) spricht in diesem Zusammenhang von einer éclipse du récit und zählt dazu auch das nomothetische Geschichtsmodell der analytischen Philosophie angelsächsischer Prägung.

Schon 1970 hatte allerdings der französische Althistoriker Paul Veyne die höhere Wissenschaftlichkeit, welche die Annales-Schule für sich in Anspruch nahm, bestritten und die Geschichtsschreibung insgesamt als récit véridique definiert. Auch für Ricœur gilt letztlich, dass „l’histoire ne saurait rompre tout lien avec le récit sans perdre son caractère historique“ (1983: 250). Er postuliert deshalb einen erweiterten Begriff der Narrativität, der sich auch auf die Arbeiten der Annales-Schule anwenden lässt.

Auch in Schulbüchern für den Geschichtsunterricht an Gymnasien wird heute die narrative Darstellung der Geschichte in Frage...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.