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Nonstandard im semantischen Raum

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Julia Elisabeth Klein

Sprachwissen, Spracheinstellungen und Sprachvariation sind zentrale Phänomene gesellschaftlicher Konstruktion und Wahrnehmung. Die Studie rekonstruiert diese und untersucht Verwendungen sprachlicher Formen bei Jugendlichen aus der Region Trier empirisch anhand einer dreigliedrigen Leitfrage: Wie wird der Sprachraum von Sprechern mit alltagssprachlichen Termini strukturiert, wie sind davon ausgehende Spracheinstellungen zur Nonstandardverwendung sozial verteilt und wie wird vor diesem Hintergrund Sprachvariation zur Strukturierung von Mikrosituationen verwendet? Die Thematik wird mittels eines Mixed-Methods-Designs und die zentrale Analysekategorie »semantischer Raum« erschlossen.

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6. Zusammenfassung und Ausblick: Soziale Situierungen im Variantenraum

6. Zusammenfassung und Ausblick: Soziale Situierungen im Variantenraum

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Die vorliegende Studie konzentrierte sich auf drei Bereiche des Sprachwissens, die nicht nur die kulturelle Wahrnehmung von Sprache, sondern auch die Konstruktion von Gesellschaft in sprachlichen Formen und Vorstellungen bei jungen Sprechern im moselfränkischen Sprachraum der Region Trier offenlegen. Damit wird ein Betrag zum Gegenstandsbereich der Soziolinguistik und Sozialdialektologie geleistet:

1. Die Strukturierung des moselfränkischen Sprachraums in der alltäglichen Sprachwahrnehmung wird anhand der alltagssprachlichen Termini, die junge Sprecher zur Differenzierung des Standard-Nonstandard-Kontinuums verwenden, rekonstruiert.

2. Die soziale Distribution von Einstellungen zur Nonstandardverwendung im Alltag legt latente Einstellungsstrukturen offen.

3. Sprachvariation von Sprechern wird als Mittel zur Strukturierung von Mikrosituationen analysiert.

Zur Rekonstruktion von Sprachwissen auf diesen verschiedenen Ebenen hat sich die Arbeit der Integration quantitativer und qualitativer Methoden verschrieben, die im Rahmen einer Handlungstheorie in verschiedener Form ineinandergreifen. Dazu wurde das Konzept des Variantenraums von seinem ursprünglich auf individuelle Sprachvarianz ausgerichteten Anwendungsbereich auf die überindividuelle Differenzierung sprachlicher Variation in der Alltagswahrnehmung übertragen.

In den Alltagsbezeichnungen findet sich eine ausdifferenzierte Terminologie, die den Nonstandardbereich im Alltagswissen strukturiert. Dabei tritt jedoch keine auf den gesamten moselfränkischen Sprachraum bezogene übergeordnete Orientierungskategorie zutage, die mit dem linguistischen Konstrukt Moselfränkisch vergleichbar ist. Zwar werden übergeordnete Sprachstereotype wie Sächsisch oder Plattdeutsch in kontrastierender Funktion zu den in der Alltagswahrnehmung differenzierten Varianten genannt, die tatsächlichen Orientierungskategorien liegen jedoch auf großlandschaftlicher Ebene und beziehen sich auf die geographischen Regionen Mosel und Eifel. Der Hunsrück wird von ←193 | 194...

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