Show Less
Restricted access

«Life Cycle Costing» als Instrument nachhaltiger öffentlicher Auftragsvergabe

Series:

Anne Henzel

Die EU-Richtlinie über die Vergabe öffentlicher Aufträge enthält erstmals Vorgaben zu „Life Cycle Costing". Die Autorin befasst sich mit der Frage, ob und wie das Instrument des „Life Cycle Costing" einen Beitrag zu einer nachhaltigen öffentlichen Auftragsvergabe durch die Berücksichtigung ökologischer und sozialer Ziele leisten kann. Dabei analysiert sie das europäische Richtlinienrecht und das nationale Umsetzungsrecht sowie die primärrechtlichen Grenzen. Sie überprüft die Voraussetzungen, die das Vergaberechtsregime an „Life Cycle Costing" Methoden stellt und bewertet diese im Hinblick auf den Einsatz im Rahmen des Zuschlags. Anschließend entwickelt die Autorin wertvolle Vorschläge hinsichtlich der Gewichtung der Ergebnisse eines Life Cycle Costing in der Zuschlagsentscheidung.

Show Summary Details
Restricted access

Kapitel 2: Nachhaltigkeit und LCC

Kapitel 2: Nachhaltigkeit und LCC

Extract

Längst ist Nachhaltigkeit nicht nur ein politisches, sondern auch ein gesellschaftliches und damit normatives Leitbild, was manche zu der Annahme veranlasst, der Begriff sei gar nicht wissenschaftlich bestimmbar.31 Gleichwohl unternimmt der Duden in seiner aktuellen Fassung den Versuch einer Definition. Nachhaltigkeit bedeutet hiernach längere Zeit anhaltende Wirkung.32 Das dazugehörige, seit dem Ende des 18. Jahrhunderts etymologisch bezeugte Adjektiv geht zurück auf das veraltete Nomen „Nachhalt“, also etwas, das man für Notzeiten zurückbehält.33 Nachhaltigkeit wird daher auch als Kind der Krise bezeichnet.34

Nachhaltigkeit beschreibt ein forstwirtschaftliches Prinzip, nicht mehr Holz zu fällen, als jeweils nachwachsen kann.35 Diese Wortbedeutung ist zugleich der überraschende etymologische Ursprung von „Nachhaltigkeit“. Der Begriff wurde vor über 300 Jahren von Hans Carl von Carlowitz, einem Oberberghauptmann aus der Silberstadt Freiberg in Sachsen, in seinem forstwirtschaftlichen Werk „Sylviacultura Oeconomica oder Haußwirtschaftliche Nachricht und Naturgemäße Anweisung zur Wilden Baum-Zucht“ von 1713 geprägt.36 Er wird gar als Erfinder der ←31 | 32→Nachhaltigkeit bezeichnet.37 Wenngleich das Substantiv „Nachhaltigkeit“ nicht wörtlich, sondern als „nachhaltend nutzen“ auftaucht, bringt folgender, vielzitierter Satz38 das Prinzip deutlich zur Geltung:

„Wir derhalben die größte Kunst/Wissenschaft/Fleiß und Einrichtung hiesiger Lande darinnen beruhen/wie eine sothane Conservation und Anbau des Holtzes anzustellen/dass es eine continuierliche beständige und nachhaltende Nutzung gebe/weiln es eine unentbehrliche Sache ist/ohne welche das Land in seinem Esse nicht bleiben mag.“39

Die aus dem zunehmenden industriellen Holzbedarf resultierende Knappheit des Forstbestandes veranlasste die Forstwirtschaft, kurzfristige ökonomische...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.