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Ingenieure auf der Leinwand

Technische Visionen und Ordnungsvorstellungen im deutschen Zukunftsfilm der 1930er Jahre

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Anke Woschech

Zu Beginn der 1930er Jahre tauchten im bis dato expressionistisch geprägten deutschen Zukunftsfilm vermehrt Ingenieure auf, die als Helden technischer Großprojekte einem vordergründigen Fortschrittsoptimismus frönten. Dabei verwiesen diese Filmfiguren auf Ordnungsvorstellungen, die technokratische bis völkische Lösungen der zeitgenössisch virulenten Frage nach dem Konflikt von Kapital und Arbeit bemühten. In einem technikhistorischen Zugriff auf cineastische vergangene Zukünfte sowie unter Anwendung des Konzepts der hegemonialen Männlichkeit analysiert die Autorin die filmische Inszenierung von Ingenieuren und Technik. Sie zeigt auf, dass sich diese Filme als (Zerr-)Spiegel einer zentralen Konfliktlinie der industriellen Klassengesellschaft der Zwischenkriegszeit verstehen lassen.

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5. Der Ingenieur als Sozialtechnologe: Der Herr der Welt (1934)

5. Der Ingenieur als Sozialtechnologe: Der Herr der Welt (1934)

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Der Regisseur, Produzent, Drehbuchautor und Darsteller Harry Piel gilt als die erste Ikone des deutschen Actionkinos und vielen auch als der erste deutsche Filmstar überhaupt. Schon im Deutschen Kaiserreich stellte er mit dem internationalen Erfolg seiner frühen „Sensationsfilme“ (eine rasante Mischung aus Action, Komödie und Romanze) eine Ausnahmeerscheinung dar, konnte sich das Wilhelminische Kino doch gemeinhin nur in wenigen Sujets, und in diesen weitaus weniger als die dahingehend führenden Filmnationen Frankreich, Italien und die USA, auf dem ausländischen Markt behaupten.717 Piel war auch der erste Filmschaffende in Deutschland, der seinen Namen über einen Filmtitel platzieren konnte. Sein Erfolgsrezept bestand in der Bearbeitung von Trivialstoffen, kombiniert mit der Zurschaustellung exotischer Attraktionen und der Einbindung internationaler Stereotypen; sein Stil galt als „typisch amerikanisch“: Spannung, Tempo und Technik. Aufgrund seiner Vorliebe für spektakuläre Explosionen erwarb er sich schnell den Ruf des „Dynamit-Regisseurs“; auch die ausgefallenen wie authentischen Stunts wurden von ihm selbst durchgeführt.718 Zu Beginn der 1920er Jahre herrschte eine regelrechte „Piel-Manie“, die dazu führte, dass im Gegensatz zu den künstlerisch anspruchsvollen, avantgardistischen Filmen jener Zeit (die später freilich in den Kanon der Filmklassiker eingehen sollten)719 seine Produktionen häufig verlängert wurden oder sogar – damals noch unüblich – zeitgleich in zwei Filmtheatern einer Stadt liefen. Seine Filme wurden außerdem häufig ins Programm wiederaufgenommen bzw. regelmäßig wiederholt.720 Harry Piels ausgeprägte Technikfaszination ←251 | 252→brachte nicht nur den reichlichen Einsatz moderner und zukunftsweisender Mobilitätstechnologien – Automobile, Zeppeline, Flugzeuge, U-Boote...

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