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Ingenieure auf der Leinwand

Technische Visionen und Ordnungsvorstellungen im deutschen Zukunftsfilm der 1930er Jahre

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Anke Woschech

Zu Beginn der 1930er Jahre tauchten im bis dato expressionistisch geprägten deutschen Zukunftsfilm vermehrt Ingenieure auf, die als Helden technischer Großprojekte einem vordergründigen Fortschrittsoptimismus frönten. Dabei verwiesen diese Filmfiguren auf Ordnungsvorstellungen, die technokratische bis völkische Lösungen der zeitgenössisch virulenten Frage nach dem Konflikt von Kapital und Arbeit bemühten. In einem technikhistorischen Zugriff auf cineastische vergangene Zukünfte sowie unter Anwendung des Konzepts der hegemonialen Männlichkeit analysiert die Autorin die filmische Inszenierung von Ingenieuren und Technik. Sie zeigt auf, dass sich diese Filme als (Zerr-)Spiegel einer zentralen Konfliktlinie der industriellen Klassengesellschaft der Zwischenkriegszeit verstehen lassen.

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6. Der Ingenieur als Kleinbürger: Die Welt ohne Maske (1934)

6. Der Ingenieur als Kleinbürger: Die Welt ohne Maske (1934)

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Der Herr der Welt bildet vom Zeitpunkt der Uraufführung aus gesehen den letzten Film des Untersuchungskorpus. Auf eine strikt chronologische Reihenfolge bei der Behandlung der beiden Piel-Filme wurde jedoch verzichtet, da Die Welt ohne Maske in zweifacher Hinsicht eine Ausnahme darstellt und damit den Abschluss der Untersuchung darstellen soll. Es handelt sich um die einzige Komödie; Handlung und Figurencharakterisierung sowie-konstellation sind den Genrekonventionen verpflichtet und weichen entsprechend stark von den bisherig behandelten Zukunftsfilmen ab:

Der „stellungslose Elektrotechniker“844 Harry Palmer (Harry Piel) hilft seinem neuen Nachbarn, dem studierten, jedoch gleichfalls mittellosen Physiker und „Ingenieur Dr. Tobias Bern“845 (Kurt Vespermann) in Berlin bei der Finanzierung und Entwicklung einer „Ton-Bild-Funk“-Apparatur, die zu dem internationalen Wettbewerb auf dem Gebiet der Rundfunk-Fernsehübertragung eingereicht werden soll, bei dem ansonsten nur Großkonzerne antreten. Als Harry dabei versehentlich einen wortwörtlichen „Fern-Seh-Apparat“ erfindet – ein durch Häuserwände hindurchschauendes Spionage-Auge, das Bilder von jedem beliebigen Ort der Hauptstadt auf die Mattscheibe der Apparatur projizieren kann – wird die Konkurrenz auf die beiden Tüftler aufmerksam. Da sie alle Aufkaufangebote ausschlagen, beauftragt der südamerikanische Unternehmer Costa (Hubert von Meyerinck) den Ganoven Merker (Rudolf Klein-Rogge) mit dem Diebstahl der Wundermaschine. Während sich Tobias durch die frische Bekanntschaft mit der verwitweten Nachbarin Betty Bandelow (Olga Tschechowa) allzu schnell ablenken lässt, kann Harry, obgleich durch das Anbändeln mit Costas Sekretärin Erika Hansen (Annie Markart) ebenfalls befangen, sämtliche darauffolgenden Angriffe erfolgreich abwehren. Selbst die Entführung Erikas durch Merker...

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