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Ingenieure auf der Leinwand

Technische Visionen und Ordnungsvorstellungen im deutschen Zukunftsfilm der 1930er Jahre

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Anke Woschech

Zu Beginn der 1930er Jahre tauchten im bis dato expressionistisch geprägten deutschen Zukunftsfilm vermehrt Ingenieure auf, die als Helden technischer Großprojekte einem vordergründigen Fortschrittsoptimismus frönten. Dabei verwiesen diese Filmfiguren auf Ordnungsvorstellungen, die technokratische bis völkische Lösungen der zeitgenössisch virulenten Frage nach dem Konflikt von Kapital und Arbeit bemühten. In einem technikhistorischen Zugriff auf cineastische vergangene Zukünfte sowie unter Anwendung des Konzepts der hegemonialen Männlichkeit analysiert die Autorin die filmische Inszenierung von Ingenieuren und Technik. Sie zeigt auf, dass sich diese Filme als (Zerr-)Spiegel einer zentralen Konfliktlinie der industriellen Klassengesellschaft der Zwischenkriegszeit verstehen lassen.

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7. Fazit: Die Ingenieursfigur als Mittler zwischen Kapital und Arbeit

7. Fazit: Die Ingenieursfigur als Mittler zwischen Kapital und Arbeit

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Mit dem Übergang vom Stumm- zum Tonfilm änderten sich auch signifikant Motive und Topoi im deutschen Kino des Phantastischen. In den 1920er Jahren dominierten expressionistische Filme, in denen, gespeist aus den entgrenzten technisierten Gewalterfahrungen des Ersten Weltkriegs, das Albtraumhafte des technischen Fortschritts und die damit verbundene Verunsicherung, Verstörung und Zerrissenheit der noch jungen deutschen Industriegesellschaft verarbeitet wurde. Als Personifizierungen des wahrgenommenen Zerfalls der tradierten politischen, wirtschaftlichen und sozialen Ordnung beherrschten Geistermenschen, verrückte Wissenschaftler und deren Kreaturen die Leinwand des Weimarer Zukunftskinos. Ein Jahrzehnt später tauchten hingegen vermehrt Ingenieure auf, die als Helden technischer Großprojekte eine vordergründig positive Sicht auf den technischen Fortschritt lieferten, wobei die entworfenen Zukunftswelten sich vorrangig durch die jeweilige technische Errungenschaft von der Gegenwart unterschieden und die Darstellung der Nova sich weitgehend auf vorhandene zeitgenössische Technik stützte.

In dieser Arbeit wurde der Frage nachgegangen, welche Bedeutungszuschreibungen bezüglich der Technik und des technischen Fortschritts sich an die Filmfigur des Ingenieurs im deutschen Zukunftsfilm der 1930er Jahre knüpften. In einem technikhistorischen Zugriff auf cineastische vergangene Zukünfte wurde hierfür das Referenzverhältnis zwischen filmischer Narration und zeitgenössischen außerfilmischen Diskursen zum einen bezüglich der verwendeten technizistischen Ästhetik, die sich in den jeweiligen Nova manifestiert, zum anderen hinsichtlich der die wissenschaftlich-technische Welt repräsentierenden Hauptfiguren – Wissenschaftler, Erfinder und Ingenieure – analysiert. Ausgehend vom Postulat, dass die mediale Figur des Ingenieurs, hierin diametral zu der des mad scientist, im Allgemeinen dazu dient, technisches Handeln in seinen Hoffnungspotenzialen aufzuzeigen...

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