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Autorschaft und Schuld in der Nachkriegsprosa von Hans Erich Nossack

Konstruktion von Subjektivität zwischen Existenzphilosophie und Postmoderne

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Katharina Gefele

Hans Erich Nossacks Nachkriegsprosa verhandelt die Frage, welche Form des Sprechens angesichts einer unmenschlichen (Kriegs-)Realität gerechtfertigt ist. Im Fokus der Analysen stehen daher der Zusammenhang von Autorschaft und Schuld und die autofiktionale Auseinandersetzung mit den Themen Tod, Entfremdung und Liebe nach 1945. Nossacks Konstruktion von Subjektivität wird im biographischen und historischen Kontext betrachtet und auf theoretischer Ebene zwischen existenzphilosophischer Selbstsuche und postmoderner Subjektkritik verortet. Dieser Ansatz bietet neue Zugänge für Nachkriegsautoren/innen wie Alfred Andersch, Peter Weiss und Ingeborg Bachmann an. Die Autorin zeigt, dass sich in Nossacks Literatur zentrale moderne Subjektdiskurse um Freiheit, Schuld und Erinnerung kreuzen.

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2 Hans Erich Nossack

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Nossacks Literatur widmet sich stets der Verteidigung des einzelnen Menschen gegen die Verdinglichung innerhalb eines gesellschaftlichen Systems. In seiner Rede zur Verleihung des Wilhelm-Raabe-Preises 1963 formuliert Nossack dieses Anliegen als ein politisches Engagement am Menschen: „Für den Menschen gegen den Apparat. Für den Einzelnen gegen die Institution. Hier liegt unser Engagement. […] Ein hochpolitisches Engagement auch dann, wenn kein Wort über Politik fällt.“1 Mit seiner Kritik wendet sich Nossack nicht nur gegen das nationalsozialistische System, sondern auch gegen die restaurative Nachkriegsgesellschaft. Doch was ist das Menschliche und das Lebendige, das es zu verteidigen gilt? Dieser Frage widmet sich Nossack nicht nur in seinen fiktionalen, sondern auch in seinen autobiographischen und literaturtheoretischen Werken,2 wie auch Christa Wolf feststellt: „Fast alle Arbeiten Nossacks, von seinen frühen Erzählungen an, kreisen um ein Thema: Wie der Mensch in dieser Welt zu sich selbst finden soll.“3 Die Frage nach dem Menschlichen, Individuellen und Lebendigen ist bei Nossack auch stets mit dem Thema der Autorschaft verknüpft: „[I];ch glaube nicht, daß man vom Menschen in der Literatur sprechen kann, ohne zugleich vom Autor zu sprechen.“4

Wie lässt sich das Werk eines Schriftstellers wie Nossack nach dem postmodernen ‚Tod des Autors‘ interpretieren? Schließlich beschreibt Nossack das literarische Schreiben als Versuch der „Selbsterhaltung“.5 An Literatur und Kunst erhebt Nossack den Anspruch auf „Echtheit“ und unverfälschte Wahrheit.6 Es wundert daher nicht, dass Nossacks Literatur immer wieder in Bezug auf seine Biographie gelesen...

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