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Teilhabe braucht Rehabilitation

Blicke zurück in die Zukunft

Edited By Helga Seel

Die Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation e. V. (BAR) ist der Zusammenschluss der Rehabilitationsträger. Seit 1969 fördert sie im gegliederten Sozialleistungssystem die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen. Die BAR koordiniert und unterstützt das Zusammenwirken der Reha-Träger, vermittelt Wissen und arbeitet mit an der Weiterentwicklung von Rehabilitation und Teilhabe. Ihre Mitglieder sind die Träger der Gesetzlichen Renten-, Kranken- und Unfallversicherung, die Bundesagentur für Arbeit, die Bundesländer, die Bundesarbeitsgemeinschaft der Integrationsämter und Hauptfürsorgestellen, die Bundesarbeitsgemeinschaft der überörtlichen Träger der Sozialhilfe, die Kassenärztliche Bundesvereinigung sowie die Sozialpartner.

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Kinder- und Jugendrehabilitation – die BAR als Wegbereiterin einer Qualitätsentwicklung und Vermittlerin unterschiedlicher Interessen

Kinder- und Jugendrehabilitation – die BAR als Wegbereiterin einer Qualitätsentwicklung und Vermittlerin unterschiedlicher Interessen

von Alwin Baumann, Sprecher Bündnis Kinder- und Jugendreha e.V.

Seit 1982 erlebe ich die Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation e. V. (BAR) als verlässlichen Unterstützer der Belange chronisch kranker Kinder und somit der Kinder- und Jugendrehabilitation. Zunächst erlebte ich das als Mitarbeiter einer Rehabilitationsklinik für Kinder und Jugendliche, des Weiteren als Vorstandsmitglied des Caritas-Bundesverbands Kinder- und Jugendreha e.V. und seit 2018 als Sprecher des Bündnisses Kinder- und Jugendreha e.V. In diesen 37 Jahren hat sich die Kinder- und Jugendreha grundlegend verändert. Die BAR hat zu dieser sehr positiven Veränderung einen wesentlichen Beitrag geleistet.

Ende der 1970er Jahre des vorigen Jahrhunderts bestand die Kinder- und Jugendreha einerseits aus den Kinderkuren, die in Kinderkurheimen durchgeführt wurden, und andererseits aus den Kinderheilkuren, für die es die Kinderheilstätten gab. Der massive Rückgang der Infektionskrankheiten, das Ende der Tuberkulose als Volkskrankheit und die Zunahme der chronischen Erkrankungen ermöglichte in dieser Zeit eine völlige Neuausrichtung der Kinder- und Jugendkuren. Der Bedarf an den bisherigen Maßnahmen brach massiv ein, die gesetzlichen Grundlagen wurden dieser Entwicklung angepasst. Angebote für chronisch kranke Kinder und Jugendliche mussten entwickelt werden. Die alten Betreuungsformen wichen neueren pädagogischen Konzepten.

Die Aufnahme jüngerer Kinder ohne Begleitperson war nicht mehr tragbar. Die Klinikträger schlossen in den 1970er und 1980er Jahren zahlreiche Kinderkureinrichtungen und entwickelten andere Einrichtungen zu Rehabilitations- und Fachkliniken für Kinder und Jugendliche weiter.

Anforderungsprofile führen die Kinderkur in die Kinderrehabilitation

Um 1980 erarbeitete der „Arbeitskreis Kinderkuren“ der Deutschen Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin e.V. Anforderungsprofile für eine moderne Kinderkurfürsorge. Für die Konzepte und für die Belegung von ←61 | 62→Kurkliniken und Kurheimen wurden Anforderungen formuliert und Indikationslisten erstellt. Der Arbeitskreis Kinderkuren bestand aus Vertretern verschiedener Wohlfahrtsverbände und namhafter Chefärzte und Einrichtungsleiter. Die Arbeit wurde 1992 auf eine breitere Basis gestellt, indem sich bei der Neuauflage auch die Gesetzlichen Kranken- und Rentenversicherungen beteiligten. Nun wurde bereits von „Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen“ gesprochen und das ursprünglich vage gehaltene Anforderungsprofil konkretisiert.

Die BAR als Antreiber und Vermittler

Es zeigte sich, dass die Vorstellungen von einer modernen Kinder- und Jugendrehabilitation unter den Einrichtungsträgern, den Verbänden, den Krankenkassen und den Rentenversicherungsträgern sehr weit auseinanderlagen. Um den zuweisenden Ärzten und den chronisch kranken Kindern und Jugendlichen mit ihren Familien ein qualifiziertes und eindeutiges Angebot machen zu können, musste ein gemeinsames und differenziertes Konzept auf die Beine gestellt und veröffentlicht werden. Unter der Moderation der BAR konnte 1998 ein „Gemeinsames Rahmenkonzept für die Durchführung stationärer medizinischer Maßnahmen der Vorsorge und Rehabilitation für Kinder und Jugendliche“ präsentiert werden. Bisher strittige Themen – etwa die Konsequenzen aus den Besonderheiten einer Rehabilitation im Kindes- und Jugendalter für die Dauer und die Durchführung – konnten ebenso geklärt werden wie die Mitaufnahme einer Begleitperson. 2008 wurde das aktualisierte Rahmenkonzept von der BAR neu herausgegeben. Die Ausgabe von 1998 erwähnte erstmals die Bedeutung der Qualitätssicherung, welche 2008 ausführlich beschrieben und zur zwingenden Voraussetzung für eine Kinder- und Jugendrehabilitation gemacht wurde.

Gründung einer medizinischen Reha-Fachgesellschaft mit Unterstützung der BAR

Um die Kinder- und Jugendrehabilitation indikationsspezifisch auf Basis medizinischer Leitlinien weiterzuentwickeln, wurde 2001 in Frankfurt die „Deutsche Gesellschaft für pädiatrische Rehabilitation und Prävention e.V.“ gegründet. Waren in dieser Gesellschaft zunächst vor allem die Medizinier gefragt, so initiierten die Geschäftsführer 2003 zusätzlich das „Forum Ökonomie“. Die ersten Sitzungen bis 2005 fanden bei der BAR statt. Bis heute wurde in 35 Sitzungen des Forums die weitere Entwicklung begleitet und unterstützt.

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Die BAR informiert zur Kinder- und Jugendrehabilitation

Es ist bekannt, dass trotz des qualifizierten Angebots nur ein kleiner Teil der rehabilitationsbedürftigen Kinder und Jugendlichen eine stationäre Rehabilitationsmaßnahme in Anspruch nimmt. Die Gründe dafür liegen in der mangelnden Bekanntheit, der unklaren Zuständigkeit, im Aufwand des Antragsverfahrens, der Bevorzugung einer Mutter-/Vater-Kind-Kur, im vermeintlichen Schulausfall und in der mangelnden Information der Öffentlichkeit und der Fachleute. Um dieser fatalen Unterinanspruchnahme entgegenzuwirken, versammelte die BAR 25 Fachleute aus den unterschiedlichsten Bereichen der Kinder- und Jugendlichenversorgung. Die Arbeitsgruppe entwickelte 2017 einen Wegweiser „Reha für Kinder und Jugendliche“ für Fachleute und einen Informationsflyer für Eltern und Angehörige. Diese ausführlichen Materialien werden nun in der Beratung erfolgreich eingesetzt.

Die Kinder- und Jugendreha macht den nächsten Schritt

Mit dem Flexirentengesetz vom Dezember 2016 wurde die Kinder- und Jugendreha der Deutschen Rentenversicherung gesetzlich komplett neu konzipiert. Die bisherigen Leistungen wurden verbessert, der Zugang vereinfacht und neue Leistungen ermöglicht. Die Kinder- und Jugendreha ist nun eine Pflichtleistung der Deutschen Rentenversicherung, es gibt keine Beschränkung mehr auf bestimmte Indikationen, es besteht ein Anspruch auf die Mitaufnahme einer Begleitperson bis zum zwölften Geburtstag des rehabedürftigen Kindes – bei Bedarf sogar auf die Mitaufnahme von allen Familienangehörigen. Die bisherige Vierjahreswiederholungsfrist wurde gestrichen. Als neue Leistungen erbringt die Rentenversicherung Nachsorgeleistungen und ambulante Kinder- und Jugendrehabilitationen.

Die BAR wird diese Entwicklungen ganz sicher auch weiterhin erfolgreich begleiten.

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