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Teilhabe braucht Rehabilitation

Blicke zurück in die Zukunft

Edited By Helga Seel

Die Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation e. V. (BAR) ist der Zusammenschluss der Rehabilitationsträger. Seit 1969 fördert sie im gegliederten Sozialleistungssystem die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen. Die BAR koordiniert und unterstützt das Zusammenwirken der Reha-Träger, vermittelt Wissen und arbeitet mit an der Weiterentwicklung von Rehabilitation und Teilhabe. Ihre Mitglieder sind die Träger der Gesetzlichen Renten-, Kranken- und Unfallversicherung, die Bundesagentur für Arbeit, die Bundesländer, die Bundesarbeitsgemeinschaft der Integrationsämter und Hauptfürsorgestellen, die Bundesarbeitsgemeinschaft der überörtlichen Träger der Sozialhilfe, die Kassenärztliche Bundesvereinigung sowie die Sozialpartner.

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Inklusion und Teilhabe – die Perspektive der Arbeitgeber

Inklusion und Teilhabe – die Perspektive der Arbeitgeber

von Olaf Guttzeit, Vorstandsvorsitzender Arbeitgeberinitiative UnternehmensForum e. V.

Fachkräftemangel, Globalisierung, Flexibilisierung und Digitalisierung: Die Rahmenparameter des Arbeitsmarktes haben sich in den vergangenen Jahren rasant verändert und tun es noch. Unternehmen stellen sich darauf ein und gestalten die Arbeitswelt neu. Im Zuge der Inklusion findet ein spürbarer Perspektivwechsel statt: Um Fachkräfte zu sichern, schätzen immer mehr Arbeitgeber die Chancen vielfältiger Teams und inklusiver Führungskultur. Ihnen bietet das UnternehmensForum (UF) eine Plattform für praxisnahe Strategien und Lösungsansätze. Die BAR und ihre Akteure sind dabei wichtige Partner.

Für die Förderung von Inklusion in Unternehmen gilt die UN-Behindertenrechtskonvention als Orientierungsgrundlage, ihre Ratifizierung in Deutschland 2009 als Meilenstein. Das darin enthaltene Leitbild der Inklusion im Sinne einer uneingeschränkten Teilhabe von Menschen mit Behinderungen ist maßgebend – auch für Wirtschaft und Arbeitswelt. Gleichzeitig tragen der demografische Wandel und der anhaltende Fachkräftemangel dazu bei, dass Inklusion in Unternehmen nicht mehr nur als soziales Engagement, sondern immer mehr als Notwendigkeit und Chance begriffen wird. Nicht zuletzt entdecken viele Arbeitgeber im Zuge des steigenden Wettbewerbsdrucks durch Globalisierung und Digitalisierung das Potenzial vielfältiger Teams: Mit ihnen erreichen Arbeitgeber häufig eine höhere Innovationskraft und Produktivität.

Gelingende Inklusion beginnt dabei im Bewusstsein der Arbeitgeber und in der Kultur der Unternehmen. Die Inklusionsbeauftragten nach SGB IX übernehmen hier als Kulturgestaltende eine wichtige Rolle. Und tatsächlich entwickeln immer mehr Betriebe in Deutschland einen Blick für die Stärken von Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen und Teilhabebedarfen, anstatt sich auf Hürden und Defizite zu konzentrieren. Sie sind offen für neue Potenziale zur Fachkräftesicherung und suchen nach Lösungen zum Erhalt der Beschäftigungsfähigkeit bis zum Renteneintrittsalter. Das zeigen nicht zuletzt die erfolgreichen Aktionspläne aus der Wirtschaft zur Umsetzung der UN-Behindetenrechtskonvention.

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Reha-Akteure als Partner der Unternehmen

Den Akteuren der beruflichen Rehabilitation kommt hier als wichtige Partner der Unternehmen eine besondere Rolle zu. Ihre Expertise in Arbeit und Gesundheit trägt entscheidend zu mehr Inklusion in der Wirtschaft bei. Darum wissen auch die Mitglieder des UnternehmensForums: Sie schätzen die Vernetzung innerhalb der BAR als Chance, um gemeinsam neue Lösungswege zu entwickeln – und gleichzeitig die Perspektive der Arbeitgeber im System der beruflichen Reha zu spiegeln. Welche Früchte das enge Zusammenspiel der Akteure tragen kann, zeigt beispielsweise die UF-interne Kooperation des IT-Konzerns SAP und des Berufsförderungswerks Frankfurt: Mit einem von SAP entwickelten Planspiel werden Rehabilitanden in einem konkreten Anwendungsfall an die berufliche Praxis herangeführt. Die Praxisnähe und der Fokus auf den Unternehmenserfolg sind wiederum Skills, die sich Arbeitgeber für die Qualifizierung ihrer Fachkräfte wünschen – ein klassisches Win-Win-Beispiel also, bei dem der Übergang von beruflicher Reha ins Arbeitsleben gefördert wird.

Das Teilen solcher Best Practice Beispiele werten das UnternehmensForum und seine Mitglieder im Übrigen als wichtiges Instrument, damit der Transfer inklusiver Lösungen in die Wirtschaft gelingt. Gerade an den Schnittstellen von Rehabilitation und Teilhabe sind solche praxiserprobten Strategien gefragt. Das gilt in betrieblicher Hinsicht besonders für die Zusammenarbeit mit den Leistungsträgern: Als erste Anlaufstelle zur Förderung beruflicher Teilhabe sind sie entscheidend für den Erfolg von Inklusionsprozessen in Unternehmen. Umso wichtiger ist die enge Kooperation der Akteure – viele Betriebe wünschen sich hier ganz konkret zentrale Ansprechpartner, die sie im gesamten Reha- und Inklusionsprozess unterstützen. Denn die Vielfalt der Akteure innerhalb des gegliederten Systems ermöglicht zwar vielseitige Kompetenzen, erschwert aber aus Arbeitgebersicht die Orientierung. Das Bundesteilhabegesetz hat hier eine zielführende Richtung eingeschlagen: Dass Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben zukünftig „wie aus einer Hand“ erbracht werden sollen, erleichtert die Kooperation und unterstreicht das gemeinsame Anliegen innerhalb der Rehabilitation – Menschen langfristig und zielführend die volle Teilhabe zu ermöglichen und dabei Mehrwert für alle Beteiligten zu schaffen.

Dieses Ziel ist es auch, was die Akteure innerhalb der Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation verbindet. Arbeitgeber schätzen sie als wichtige Dialogpartnerin und Kommunikatorin der Unternehmensbedarfe an die ←74 | 75→Reha-Trägerschaft. Die Geschichte der BAR zeigt schließlich, wie entscheidend partnerschaftliche Zusammenarbeit innerhalb der Rehabilitation ist und welche Früchte sie tragen kann – die gemeinsame Weiterentwicklung des BEM-Prozesses sei hier nur als ein Beispiel erwähnt. Auf den regelmäßigen, gut funktionierenden Austausch innerhalb der BAR werden das UnternehmensForum und seine Mitglieder auch zukünftig gern bauen.

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