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Teilhabe braucht Rehabilitation

Blicke zurück in die Zukunft

Edited By Helga Seel

Die Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation e. V. (BAR) ist der Zusammenschluss der Rehabilitationsträger. Seit 1969 fördert sie im gegliederten Sozialleistungssystem die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen. Die BAR koordiniert und unterstützt das Zusammenwirken der Reha-Träger, vermittelt Wissen und arbeitet mit an der Weiterentwicklung von Rehabilitation und Teilhabe. Ihre Mitglieder sind die Träger der Gesetzlichen Renten-, Kranken- und Unfallversicherung, die Bundesagentur für Arbeit, die Bundesländer, die Bundesarbeitsgemeinschaft der Integrationsämter und Hauptfürsorgestellen, die Bundesarbeitsgemeinschaft der überörtlichen Träger der Sozialhilfe, die Kassenärztliche Bundesvereinigung sowie die Sozialpartner.

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Verbesserung der Reha-Prozesse im gegliederten Sozialleistungssystem

Verbesserung der Reha-Prozesse im gegliederten Sozialleistungssystem

von Dr. Volker Hansen, Abteilungsleiter Soziale Sicherung, Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA)

Erfolgreiche Rehabilitation leistet einen wertvollen Beitrag zum Erhalt und zur Wiederherstellung der Beschäftigungsfähigkeit von oft dringend benötigten Arbeits- und Fachkräften. Deshalb ist Rehabilitation für Arbeitgeber von großer Bedeutung. Die durch Arbeitsunfähigkeit entstehenden volkswirtschaftlichen Kosten sind gewaltig. Allein die unmittelbaren Kosten durch Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall, Krankengeld und Invaliditätsrenten beliefen sich dem Bundesgesundheitsministerium zufolge im Jahr 2017 auf mehr als 85 Milliarden Euro. Für 2016 errechnete die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin eine durch Arbeitsunfähigkeit ausgefallene Bruttowertschöpfung von insgesamt 133 Milliarden Euro.

Erfolgreiche Rehabilitation durch die Sozialleistungsträger trägt dazu bei, diesen volkswirtschaftlichen Schaden zu begrenzen und bildet die notwendige Ergänzung zum Engagement der Betriebe zur Gesundheitsförderung und zur Wiedereingliederung erkrankter Beschäftigter. Reha-Maßnahmen sind aber auch entscheidend, um berufliche und gesellschaftliche Teilhabe sowie Lebensqualität für den Einzelnen zu ermöglichen. Der Erhalt der persönlichen Autonomie, die Sicherstellung der Selbstversorgungsfähigkeit, die Wiederherstellung, Verbesserung und der Erhalt der vollen oder zumindest teilweisen Leistungs- beziehungsweise Erwerbsfähigkeit sind für die Rehabilitanden im ureigenen Interesse.

Erfolgreiche Reha-Maßnahmen tragen zudem zur Funktionsfähigkeit der Sozialversicherungssysteme bei, wenn dadurch die Zahl der Transferempfänger verringert wird und gleichzeitig Beitragszahler der Sozialversicherung erhalten bleiben. Die Durchführung von Reha-Maßnahmen muss sich an ihren gesetzlichen Zielen messen lassen. Hierzu gehört insbesondere auch eine Integration in den Arbeitsmarkt.

Die jährlichen Aufwendungen für alle Bereiche der Rehabilitation liegen inzwischen bei fast 40 Milliarden Euro. Schon wegen des damit verbundenen hohen Finanzierungsaufwands für die Beitrags- und Steuerzahler muss auch im Bereich der Rehabilitation auf Wirtschaftlichkeit geachtet werden. Im internationalen Vergleich ist das Reha-System in Deutschland hervorragend. Dennoch sind Fortschritte möglich und notwendig. Die Reformansätze des Bundesteilhabegesetzes zur Weiterentwicklung des Rehabilitations- und Teilhaberechts, das ←151 | 152→stufenweise von 2017 bis 2023 in Kraft tritt, sind grundsätzlich richtig. Allerdings sind insbesondere auch auf der untergesetzlichen Ebene weitere Verbesserungen im Bereich der Rehabilitation erforderlich.

Aus Arbeitgebersicht kommt es dabei vor allem darauf an,

1. den Reha-Bedarf frühzeitiger zu erkennen und eine zeitnahe Versorgung sicherzustellen,

2. die Rehabilitation nach den Grundsätzen von Wirkung und Wirtschaftlichkeit auszurichten,

3. die Schnittstellenprobleme zu lösen, die trägerübergreifende Zusammenarbeit weiter zu verbessern,

4. Transparenz über den Reha-Prozess zu schaffen, den Teilhabeverfahrensbericht aussagekräftig zu gestalten,

5. trägerübergreifende Ansprechpartner zu schaffen,

6. die medizinische und berufliche Rehabilitation bestmöglich aufeinander abzustimmen,

7. die Rehabilitation für SGB II-Leistungsbezieher zu verbessern,

8. den Grundsatz ambulant vor stationär konsequent umzusetzen,

9. die Angebote der Berufsförderungswerke noch betriebsnäher auszugestalten,

10. die Wirtschaftlichkeit von trägereigenen Reha-Einrichtungen sicherzustellen.

Zur Überwindung der – trotz aller bisher erreichten Verbesserungen – immer noch bestehenden großen Schnittstellenprobleme im Rehabilitationsbereich müssen die Träger der Rehabilitation optimal zusammenarbeiten und relevante Informationen untereinander austauschen. Nur dann ist ein gegliedertes Rehabilitations- und Sozialleistungssystem, in dem je nach Lebenslage unterschiedliche und zum Teil auch mehrere Leistungsträger gleichzeitig zuständig sind, im Sinne der Betroffenen zu rechtfertigen. Der mit dem Bundesteilhabegesetz eingeleitete Weg der verbesserten Zusammenarbeit zwischen den Reha-Trägern muss daher konsequent in der Praxis umgesetzt werden.

Notwendig ist zudem, dass alle Sozialleistungsträger der Bedeutung der trägerübergreifenden Zusammenarbeit hinreichend Rechnung tragen und tatkräftig und engagiert auf der Ebene der Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation (BAR) mitarbeiten. Auch diejenigen Träger, die sich bisher nur punktuell auf Ebene der BAR beteiligen, müssen sich da, wo es erforderlich ist, aktiver in die Arbeit der BAR einbringen. Dazu gehört auch, dass die Träger der Eingliederungshilfe in der BAR aktiv mitarbeiten und in die gemeinsamen Empfehlungen der BAR miteinbezogen werden. Für eine bessere Zusammenarbeit der Reha-Träger wären auch gemeinsame Schulungen der Beschäftigten der Reha-Träger der einzelnen Sozialversicherungszweige sinnvoll. So könnte ein trägerübergreifendes Verständnis von Rehabilitation entwickelt werden.

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