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Teilhabe braucht Rehabilitation

Blicke zurück in die Zukunft

Edited By Helga Seel

Die Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation e. V. (BAR) ist der Zusammenschluss der Rehabilitationsträger. Seit 1969 fördert sie im gegliederten Sozialleistungssystem die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen. Die BAR koordiniert und unterstützt das Zusammenwirken der Reha-Träger, vermittelt Wissen und arbeitet mit an der Weiterentwicklung von Rehabilitation und Teilhabe. Ihre Mitglieder sind die Träger der Gesetzlichen Renten-, Kranken- und Unfallversicherung, die Bundesagentur für Arbeit, die Bundesländer, die Bundesarbeitsgemeinschaft der Integrationsämter und Hauptfürsorgestellen, die Bundesarbeitsgemeinschaft der überörtlichen Träger der Sozialhilfe, die Kassenärztliche Bundesvereinigung sowie die Sozialpartner.

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Wertvoll, aber komplex – Beratung für Arbeitgeber im Reha-Dschungel

Wertvoll, aber komplex – Beratung für Arbeitgeber im Reha-Dschungel

von Dominik Naumann, Referent Abteilung Soziale Sicherung, Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA)

Sowohl für Arbeitgeber als auch für die Rehabilitanden und ihre behandelnden Ärzte muss das gegliederte System der Rehabilitation durchschaubar sein. Wer in der betrieblichen Praxis als Arbeitgeber mit Reha-Maßnahmen konfrontiert ist, fühlt sich oft aber eher wie in einem schwedischen Möbelhaus auf der Jagd nach dem Kühlschrank aus der Werbung. Ausgeliefert im Dschungel der Möglichkeiten. Zur Gewissheit, dass alle nur erdenklichen Produkte irgendwo auf Lager sein müssten, gesellt sich schnell die Frustration des Suchens. Die wichtigste Herausforderung besteht meist darin, zügig an kompetente Beratung zu kommen. Denn wenn zuhause der Kühlschrank nicht zwischen Spüle und Herd passt, ist der Ärger groß. Zeit und Geld wurden verschwendet, ohne dem Ziel näher zu kommen. Sind diese Hürden aber erst einmal genommen, löst sich der Knoten und es geht voran. Der Kühlschrank kommt dort an, wo er hingehört und es werden weder Zeit noch Geld für Fehlgriffe verschwendet.

Übertragen auf den Betrieb heißt das: Arbeitgeber erkennen den Erfolg einer Reha-Maßnahme daran, dass Beschäftigte auch nach einer schweren Erkrankung zügig Unterstützung erhalten und dadurch letztlich weiterbeschäftigt werden können. Für einen reibungslosen Ablauf müssen dabei alle Zahnräder schlüssig ineinandergreifen. Sollte beispielsweise ein Mitarbeiter nicht mehr schwer heben dürfen, muss sein Arbeitgeber rechtzeitig umplanen und die Arbeit anders einteilen. Teilweise sind auch „nur“ die richtigen Änderungen der Arbeitsumgebung ausreichend.

Seit 50 Jahren ist die BAR ein wertvoller und verlässlicher Treiber für eine bessere Rehabilitation. Hierzu trägt auch bei, dass die BAR über den rein fachlichen Tellerrand hinausblickt und Beschäftigte sowie Arbeitgeber stets einbindet. Im Idealfall stehen Arbeitgebern Angebote wie der neue BEM-Kompass zur Verfügung, den die Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation (BAR) seit 2019 auf ihrer Internetseite anbietet. Mit wenigen Schritten können gerade kleine und mittlere Betriebe ohne spezialisierte Fachabteilung bei längeren Erkrankungen von Mitarbeitern die richtigen Ansprechpartner identifizieren.

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Bei aller Sinnhaftigkeit einzelner Maßnahmen können Systeme auch an ihrer Komplexität ersticken. Um dies auch in Zukunft zu vermeiden, müssen alle Beteiligten schnell und unbürokratisch erkennen können, welcher Träger für welche Reha-Maßnahmen zuständig ist und welche Angebote zur Rehabilitation es im Einzelnen gibt. Es bedarf daher auch einer abgestimmten, schnellen, wirksamen und betriebsnahen Unterstützung und Beratung durch die Reha-Träger.

Mit dem Bundesteilhabegesetz wurden die Gemeinsamen Servicestellen, die bislang zur Unterstützung Ratsuchender in Reha-Fragen eingerichtet worden waren, abgeschafft und für die Betroffenen durch eine unabhängige Teilhabeberatung ersetzt. Die Lücke bei der trägerübergreifenden Beratung von Arbeitgebern wurde aber bisher nur unzureichend geschlossen, denn die in § 12 Abs. 1 SGB IX vom Gesetzgeber geforderten „Ansprechstellen“ bei den Reha-Trägern haben keinen trägerübergreifenden Beratungsauftrag. Es fehlt damit nach wie vor an einem in allen Reha-Fragen kompetenten Ansprechpartner für Arbeitgeber. In diesem Zusammenhang könnten auch weitere Beratungsangebote beispielsweise zu Präventionsmaßnahmen Berücksichtigung finden. Dabei zeigt das bei den Bildungswerken der Wirtschaft durchgeführte Projekt „Unternehmensnetzwerk Inklusion“ eindrücklich, dass ein solcher Ansprechpartner, der Arbeitgeber zu den richtigen Beratungs- und Unterstützungsangeboten der Reha-Träger lotst, für diese wichtig ist. Es sollte daher mittelfristiges Ziel sein, trägerübergreifende Lotsen für Arbeitgeber zu schaffen, die schnell und unbürokratisch passgenaue Beratung in der Region vermitteln können.

Arbeitgeber sollten überall, wo es sinnvoll ist, in den Reha-Prozess eingebunden werden. Zu Recht sollen nach der Gemeinsamen Empfehlung „Reha-Prozess“ der Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation auch Betriebsärzte und Arbeitgeber im Rahmen des gesetzlich neu eingeführten Teilhabeplanverfahrens beteiligt werden. Das Teilhabeplanverfahren soll gerade dazu dienen, eine Leistungserbringung wie aus einer Hand sicherzustellen, indem hier die Leistungsbedarfe ermittelt und festgestellt, die in Frage kommenden Leistungen und Rehabilitationsträger koordiniert und der gesamte Reha-Prozess durch den „leistenden Rehabilitationsträger“ gesteuert wird.

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