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Gedächtnisraum Literatur – Gedächtnisraum Sprache: Europäische Dimensionen slavischer Geschichte und Kultur

Festschrift für Svetlana und Gerhard Ressel

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Edited By Alexander Bierich, Thomas Bruns and Henrieke Stahl

Die Festschrift ist Herrn Professor Gerhard Ressel und seiner Ehefrau Dr. Svetlana Ressel-Jelisavčić zusammen gewidmet. Ihre menschliche Verbundenheit führte im wissenschaftlichen Bereich von Forschung und Lehre zu einer Vielzahl gemeinsam verfasster und veröffentlichter Beiträge im In- und Ausland und ebenso gemeinsam abgehaltener Lehrveranstaltungen. Sowohl in der Forschung als auch in der Lehre zeigten und zeigen sich dabei die Jubilare als Slavisten im besten Sinne des Wortes, haben sie in ihrer langjährigen Tätigkeit doch nicht nur verschiedene slavische Sprachen abgedeckt, sondern darüber hinaus in gleicher Weise die drei Säulen der Philologie, die Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaft.

An der Festschrift hat sich eine große Zahl von Freunden, ehemaligen SchülerInnen, MitarbeiterInnen und KollegInnen mit Beiträgen beteiligt, deren Bandbreite von einzelphilologischen, sprach- wie literaturwissenschaftlichen Aspekten der Slavistik bis hin zu übergreifenden, interdisziplinär ausgerichteten kultur- und geisteswissenschaftlichen Fragestellungen im gesamteuropäischen Kontext bestens geeignet ist, das vielschichtige Schaffen von Prof. em. Dr. Gerhard Ressel und Dr. Svetlana Ressel-Jelisavčić zu reflektieren.

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Momčilo Nastasijević: Antikriegsliteratur

Momčilo Nastasijević: Antikriegsliteratur

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Robert Hodel (Hamburg)

Nastasijević ist vielleicht unser einziger Dichter, der diesen Krieg und die durch ihn bedingten Veränderungen nicht bemerkt hat (Ljubomir Simović, Doppelboden/Duplo dno)

Realistische Texte des 19. Jahrhunderts beschreiben Menschen in einem bestimmten historisch-sozialen Kontext. Ihre Protagonisten sind charakteristische, typisierte Vertreter eines Milieus. Gegenstand des Schreibens ist ein erkennbarer Ausschnitt einer bestehenden Wirklichkeit, die in ihrer sozio-politischen, psychologischen und ethisch-ideologischen Dimension erfasst wird. Symbolischallegorische Text hingegen, wie sie für die Epoche der Moderne und Avantgarde charakteristisch sind, dekontextualisieren in hohem Maß die Figuren und heben sie aus dem angestammten sozialen Umfeld heraus. Gegenstand des Schreibens ist der Mensch an sich, die menschliche Existenz in ihrer unveränderlichen – oder zumindest langzeitig angelegten – psychischen, ethischen, philosophischen, metaphysischen Dimension.

Eine solche Verschiebung vom sozial bestimmten Menschen zur menschlichen Natur schlechthin liegt auch im Werk Momčilo Nastasijevićs vor. Besonders offensichtlich zeigt sie sich in den Texten und Textversionen, die dem Ersten Weltkrieg gewidmet sind.

Obwohl Nastasijević wegen seines schwächlichen körperlichen Zustands nicht in die Armee eingezogen wurde und Freiwilligendienst als Schreiber der Militärstation von Gornji Milanovac (Milanovačka vojna stanica) leistete, war er mit dem Krieg dennoch unmittelbar konfrontiert: zum einen (ab Juni 1915) als Übersetzer für französische Ärzte, die die verheerende Ausbreitung des Typhus in der Region einzudämmen versuchten, zum andern als Angestellter der Militärstation, die sich nach der Oktober-Offensive 1915 mit der serbischen Armee Richtung Albanien zurückzog. Da der Gruppe,...

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