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Gedächtnisraum Literatur – Gedächtnisraum Sprache: Europäische Dimensionen slavischer Geschichte und Kultur

Festschrift für Svetlana und Gerhard Ressel

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Edited By Alexander Bierich, Thomas Bruns and Henrieke Stahl

Die Festschrift ist Herrn Professor Gerhard Ressel und seiner Ehefrau Dr. Svetlana Ressel-Jelisavčić zusammen gewidmet. Ihre menschliche Verbundenheit führte im wissenschaftlichen Bereich von Forschung und Lehre zu einer Vielzahl gemeinsam verfasster und veröffentlichter Beiträge im In- und Ausland und ebenso gemeinsam abgehaltener Lehrveranstaltungen. Sowohl in der Forschung als auch in der Lehre zeigten und zeigen sich dabei die Jubilare als Slavisten im besten Sinne des Wortes, haben sie in ihrer langjährigen Tätigkeit doch nicht nur verschiedene slavische Sprachen abgedeckt, sondern darüber hinaus in gleicher Weise die drei Säulen der Philologie, die Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaft.

An der Festschrift hat sich eine große Zahl von Freunden, ehemaligen SchülerInnen, MitarbeiterInnen und KollegInnen mit Beiträgen beteiligt, deren Bandbreite von einzelphilologischen, sprach- wie literaturwissenschaftlichen Aspekten der Slavistik bis hin zu übergreifenden, interdisziplinär ausgerichteten kultur- und geisteswissenschaftlichen Fragestellungen im gesamteuropäischen Kontext bestens geeignet ist, das vielschichtige Schaffen von Prof. em. Dr. Gerhard Ressel und Dr. Svetlana Ressel-Jelisavčić zu reflektieren.

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Poetische Strategien zur Verarbeitung von Trauer in Jan Kochanowskis „Treny“

Poetische Strategien zur Verarbeitung von Trauer

in Jan Kochanowskis „Treny“

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Henrieke Stahl (Trier)

Wohl jeder hat einmal die Erfahrung gemacht, wie befreiend es sein kann, in einer seelisch angespannten Situation zum Tagebuch zu greifen oder gar ein Gedicht, ein Prosastückchen, eine Erzählung zu schreiben. Für den Umgang mit Leid verfügen Kunst und Literatur über besondere Möglichkeiten, die heute auch professionell in Formen von Schreibtherapien Anwendung finden. Idee und Praxis der (Selbst-)Heilung durch Kunst kommen aber schon in der Renaissance zum Tragen, welche die Persönlichkeit des Menschen mit seinen mentalen Befindlichkeiten in den Mittelpunkt rückte. Es entstanden poetische Gattungen, welche auf eine Beeinflussung von Bewusstsein, Moral und Erkenntnis, aber auch der seelischen Verfassung des Menschen zielen.

Der polnische Renaissance-Dichter Jan Kochanowski hat mit seinem Zyklus von 19 Treny, d.h. Klageliedern, über den Tod seiner 30 Monate alten Lieblingstochter Ursula (vgl. Tren XII, v. 20) ein exemplarisches Beispiel für den künstlerischen Umgang mit Leid gegeben, wobei er die Heilkräfte des Dichtens reflektiert und einsetzt. Dabei geht es weniger um die Darstellung oder Expression von Leid oder die Belehrung über den Umgang mit Leid und dessen Erklärungen, als vielmehr um psychische Verarbeitungsprozesse, welche das poetische Subjekt1 vermittels der Dichtung durchmacht und an welchen der Leser partizipieren kann.

Im Zuge der Reformation, aber auch angeregt durch den Dichterkreis um Pierre de Ronsard erkannte Kochanowski die Bedeutung der Muttersprache, die er anstelle des Lateinischen zur Sprache für Dichtung sowie zum Ausdruck für geistige und wissenschaftliche...

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