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Gedächtnisraum Literatur – Gedächtnisraum Sprache: Europäische Dimensionen slavischer Geschichte und Kultur

Festschrift für Svetlana und Gerhard Ressel

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Edited By Alexander Bierich, Thomas Bruns and Henrieke Stahl

Die Festschrift ist Herrn Professor Gerhard Ressel und seiner Ehefrau Dr. Svetlana Ressel-Jelisavčić zusammen gewidmet. Ihre menschliche Verbundenheit führte im wissenschaftlichen Bereich von Forschung und Lehre zu einer Vielzahl gemeinsam verfasster und veröffentlichter Beiträge im In- und Ausland und ebenso gemeinsam abgehaltener Lehrveranstaltungen. Sowohl in der Forschung als auch in der Lehre zeigten und zeigen sich dabei die Jubilare als Slavisten im besten Sinne des Wortes, haben sie in ihrer langjährigen Tätigkeit doch nicht nur verschiedene slavische Sprachen abgedeckt, sondern darüber hinaus in gleicher Weise die drei Säulen der Philologie, die Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaft.

An der Festschrift hat sich eine große Zahl von Freunden, ehemaligen SchülerInnen, MitarbeiterInnen und KollegInnen mit Beiträgen beteiligt, deren Bandbreite von einzelphilologischen, sprach- wie literaturwissenschaftlichen Aspekten der Slavistik bis hin zu übergreifenden, interdisziplinär ausgerichteten kultur- und geisteswissenschaftlichen Fragestellungen im gesamteuropäischen Kontext bestens geeignet ist, das vielschichtige Schaffen von Prof. em. Dr. Gerhard Ressel und Dr. Svetlana Ressel-Jelisavčić zu reflektieren.

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„Kein anderes Paradies als das Dasein“: Die Idee des postumen Wirkens in einigen Spätgedichten Mandelstams

„Kein anderes Paradies als das Dasein“: Die Idee des postumen

Wirkens in einigen Spätgedichten Mandelstams

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Ketevan Megrelishvili (Heidelberg)

„[E]in Kampf gegen das Nicht-Sein, ausgefochten mit der Selbstverständlichkeit eines Traumes, in dem jedoch das Bewußtsein, wenn auch machtlos, so doch hellsichtig wäre und beinahe, auf eine rätselhafte Weise, glücklich.“

„Letztens wurde hier,“ schreibt Mandelstam im Brief vom 10. April 1936, „von der Tribüne der regionalen Vollversammlung der Schriftsteller verkündet, ich sei ‚eine leere Stelle und schreibe unnütze Salon-Gedichte [Sa-lon-Ge-di-cht-chen], und es habe keinen Sinn mehr, sich mit mir abzumühen‘.“1

Kein schlimmeres Urteil hätte Mandelstam in der Woronescher Verbannung treffen können, als diese kafkaeske Annihilierung seines Daseins und Wirkens. Die offizielle literarische Öffentlichkeit hatte ihn wieder einmal totgesprochen. Vergeblich versucht er in jenem Jahr, die Funktionäre der sowjetischen Kultur zu bekehren, indem er in den Briefen den zeitlosen Wert seiner Dichtung und ihre unbestreitbare Zugehörigkeit zur russischen Literatur mit Nachdruck betont:

Ich lasse Ihnen meine Gedichte zukommen, da diese nicht mir, sondern Ihnen gehören: Sie gehören der russischen Literatur, der sowjetischen Dichtung.2

Doch es nützt alles nichts. Die stalinistische Maschinerie arbeitet unerbittlich weiter; der Mensch ist ein wehrloser Spielball in den Händen des ‚Wolfshund-Jahrhunderts‘.

Die herabwürdigende Bewertung, Mandelstam sei ein unnützer Salondichter, erscheint geradezu grotesk im Lichte der Zeilen, die der Dichter 1935, kurz nach seiner Ankunft in Woronesh – noch auf der Woge der Dankbarkeit für die Urteilsabwandlung vom Arrest zur Verbannung nach...

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