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Epischer Renaut alias heiliger Reinoldus im Lichte einer Radiocarbon-Datierung

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Gustav Adolf Beckmann

Nicht, wie man annahm, aus dem 11. oder frühen 12., sondern laut Radiocarbon-Datierung aus dem 7. oder frühen 8. Jahrhundert stammt die Dortmunder Reliquie des Hl. Reinold, also des epischen Renaut de Montauban. Damit muss die Vor- und Frühgeschichte sowohl des berühmten Epos als auch der parallelen, zwar weniger bekannten, aber ebenfalls faszinierenden Heiligenlegende neu durchdacht werden.

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I. Der heilige Reinoldus: sein Todesdatum

I. Der heilige Reinoldus: sein Todesdatum

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Im Jahre 1999 wurde das Alter einer Dortmunder Reinoldus-Reliquie nach der C14-Methode (Radiokarbon-Methode) bestimmt. Das Ergebnis, obwohl frappant, fand in der Forschung so gut wie gar keinen Widerhall – meines Erachtens zu Unrecht. Hier sei versucht, das Versäumte nachzuholen.

Zwischen 1792 und 1982 besaß Dortmund keinerlei Reinoldus-Reliquie mehr. Zunächst ist also sicherzustellen, dass die untersuchte Reliquie überhaupt zu jenen Reinoldus-Reliquien gehört, die zu besitzen man im mittelalterlichen Dortmund – etwa des 13./14. Jh. – stolz war.

Wer häufiger mit Reliquien zu tun hat, weiß, dass die Behauptung, an einem bestimmten Ort befänden sich ‚die‘ Reliquien eines Heiligen, kaum je deren Gesamtheit meint. Aufgrund des allgemein-mittelalterlichen Glaubens, dass jeder noch so kleine Teil des heiligen Körpers Heilskraft besitze, war bei jeder sich bietenden Gelegenheit die Versuchung groß, erlaubt oder unerlaubt ein kleines Stück von der oder den Reliquien abzuzweigen, unter Umständen sogar weiter zu verteilen oder einzutauschen.1 Wenn sich somit in Köln Reinold-Reliquien nicht nur im St.-Reinoldus-Klösterlein laut seiner Reliquienliste von 1449, sondern nach späteren Quellen auch in St. Pantaleon, St. Mauritius und zumindest drei weiteren Kirchen befanden,2 so darf man annehmen, dass diese nach Reinolds Martyrium, welches ja zufolge dem einhelligen Zeugnis aller – hagiographischen wie epischen – Quellen in Köln stattfand, in der Stadt verblieben waren. Sie, und vereinzelte ←11 | 12→Reinoldus-Reliquien anderswo,3 tun also der Tatsache keinen Abbruch, dass ‚der Heilige‘‚ eben der Großteil seines Körpers, von Köln in die Dortmunder Hauptkirche...

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