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Convivencia: Dialogische Studien von Fachdidaktik und Fachwissenschaft zu ambivalenten Deutungsmustern gesellschaftlichen Zusammenlebens in Spanien

Edited By Corinna Koch and Sabine Schmitz

Der Begriff „convivencia" ist in der Gegenwart zu einem vielfach verwendeten Schlagwort geworden. Er verweist auf die Konstruktion einer historischen Bezugsfolie, die sich durch das (vermeintlich) friedliche Zusammenleben der drei abrahamitischen Religionen im mittelalterlichen al-Andalus auszeichnet. Ziel des Bandes ist es, mediale Verhandlungen in Comic, Erzähltext, Film und Schulbuch sowie Tradierungen dieses kulturellen und religiösen Deutungsmusters in Spanien zu beleuchten. Die Autoren leisten dies in einer vielschichtigen Auseinandersetzung aus einer fachwissenschaftlichen-fachdidaktischen Perspektive. Hierbei wird deutlich, dass das Konzept „convivencia" einen idealen Gegenstand zur Schulung von Reflexivität und Urteilsvermögen in Hochschule und Schule darstellt.

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Susanne Schmitz & Corinna Koch: Vorwort

Vorwort

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Als der Philologe und Historiker Américo Castro im US-amerikanischen Exil erstmals in seinem Werk España en su historia. Cristianos, moros y judíos (Buenos Aires, 1948) das Konzept der convivencia zur Beschreibung des spezifischen friedlichen, toleranten und fruchtbaren Zusammenlebens der drei monotheistischen Weltreligionen im mittelalterlichen al-Andalus lancierte,1 erfuhr es nicht umgehend eine breite internationale Rezeption. Gleichwohl löste es in Spanien einen viel beachteten Historikerstreit zwischen Américo Castro und Sánchez-Albornoz aus. Einer der Hauptgründe für diesen Streit war Castros Verknüpfung der besonderen Konfiguration der spanischen Identität mit der Erfahrung des friedlichen Zusammenlebens von Muslimen, Christen und Juden im Mittelalter in al-Andalus, die aufgrund der besonderen Toleranz der Muslime möglich gewesen sei. Nach Castro bildet diese Erfahrung der convivencia der drei Religionsgemeinschaften, für die er die Bezeichnung castas wählte, ein fundierendes Element der spanischen Identität.2

In den letzten Jahrzehnten hat sich der Begriff „convivenica“ auf beiden Seiten des Atlantiks einerseits zu einer viel adressierten Bezugsfolie zur Darlegung gesellschaftlicher Prozesse im mittelalterlichen al-Andalus entwickelt: Wie Manzano Moreno aufzeigt ist dies im US-amerikanischen Kontext u. a. der starken Ausbildung der Kulturwissenschaften geschuldet, die sich des Konzepts bedienten, um einen Diskurs über Multikulturalität und Identitätskonzepte anzustoßen bzw. in einen historisch weiten Kontext zu stellen. Im europäischen Kontext sind es auch historische Studien, die sich mit dem Begriff und dem Modell der convivencia auseinandersetzten. Andererseits wird das Konzept seit Beginn des neuen Jahrtausends zunehmend als m...

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