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Antike und Byzanz als historisches Erbe in Südosteuropa vom 19.–21. Jahrhundert

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Edited By Hans-Christian Maner and Ioannis Zelepos

Der Sammelband enthält Beiträge internationaler Experten aus verschiedenen Fachdisziplinen zur Wahrnehmung von Antike und Byzanz als historischem Erbe in Südosteuropa vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Die Fallbeispiele reichen von Bosnien-Herzegowina bis zur Türkei. Die Autoren untersuchen Medialisierungen von Vergangenheit in komparativer Perspektive im Hinblick auf wissenschaftliche Diskurse sowie auf politische und ideologische Indienstnahmen unter besonderer Berücksichtigung jüngster und gegenwärtiger Entwicklungen. Ihre differenzierten Einzelanalysen liefern somit ein wertvolles Kompendium zum aktuellen Thema «Public History» in der Region.

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Vid als Prometheus der Adria, Titan und Kriegsgott: Antikenverweise in Diskursen über religiöse Erinnerungsfiguren der orthodoxen Südslawen im 19. Jahrhundert

Vid als Prometheus der Adria, Titan und Kriegsgott: Antikenverweise in Diskursen über religiöse Erinnerungsfiguren der orthodoxen Südslawen im 19. Jahrhundert

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Stefan Rohdewald

The reference to – and hereby the appropriation – of Antiquity characterizes historicism and the imagination of history during the 19th century among the Southern Slavs as elsewhere in Europe. At first, descriptions of Vid as an ancient pagan god were disputed openly. Nevertheless, they then consolidated the imagination of the modern nation within a European shared history including Greek, Roman, and also “one’s own”, Southern Slavic, antiquity.

Entwürfe von Modernität haben in der Regel neue Betrachtungen, Umdeutungen möglichst fern zurückliegender Vergangenheit mit sich gebracht: Bei der Formulierung von Handlungshorizonten für die Gegenwart und zur Ausgestaltung von Zielutopien nun national entworfener Gemeinschaften wurde seit dem 19. Jahrhundert im gesamteuropäischen Rahmen zunächst der imaginierte Ursprung der angeblichen Volksgemeinschaft gesucht. Die „Suche nach der Nation“,1 die als Trägerin der Volkssouveränität unabdingbar war, wollte man Staatlichkeit zeitgemäß, modern legitimieren, war eine Neuerfindung von Ursprungsgeschichten dieser Staatlichkeit, oft eine Ausweitung bisheriger dynastischer oder ständischer bzw. adliger Entstehungsmythen. Wiedererfundene oder unter modernen Bedingungen und von neuen sozialen Gruppen getragene, als Traditionen2 bezeichnete Praktiken sind charakteristisch für sich seit dem 19. Jahrhundert im wechselseitigen Beobachtungs- und Wettbewerbszusammenhang umgestaltende Gesellschaften nicht nur Europas.3 Vorstellungen vom Altertum oder der Antike spielten im historistischen Denken des neuen Nationalismus eine zentrale Rolle.4 Auch und gerade im Zusammenhang des Entwurfes orthodoxer „Modernitäten“ und eigener „Antiken“ ←53 | 54→ist nach Strategien der Selbsteuropäisierung und Selbstokzidentalisierung5 zu fragen, beispielsweise um die Osmanische Zeit auszublenden...

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