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Das preußisch-polnische Verhältnis und der Positivismus

Eine kultursoziologisch-postkoloniale Revision

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Katarzyna Kostrzewska-Adam

Der Positivismus gilt als eine längst erschlossene Epoche. Die Erweiterung der literaturwissenschaftlichen Untersuchung um eine Anlehnung an den theoretischen Ansatz der kulturellen Hegemonie von Antonio Gramsci, die theoretischen Begriffe der Postkolonialen Theorie und das Konzept des literarischen Feldes von Pierre Bourdieu ermöglichte der Autorin jedoch einen neuen Zugang. Die Analyse fokussiert den Wechsel des Schreibstils vor dem Hintergrund des deutsch-polnischen Nationenkonflikts. Neben der Neubetrachtung der Genese des Positivismus, bietet dieses Buch einen tiefen Einblick in die Geschichte der deutsch-polnischen Beziehung in ihrem frühen Stadium und zeigt eine große gesellschaftliche Relevanz für das heutige Verhältnis.

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1. Einleitung

1. Einleitung

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In der polonistischen Literaturwissenschaft wurde in den einschlägigen Untersuchungen, die den polnischen Realismus bzw. Positivismus zum Thema haben, der kultursoziologischen Komponente bisher nur begrenzt Aufmerksamkeit geschenkt.1 Es wurde zwar unter anderem erkannt, wie es in der historischen Situation der dreifachen Fremdherrschaft über polnische Gebiete2 dazu kam, dass die polnische Literatur als Medium immer mehr politische Aufgaben übernahm, aber diese Erkenntnisse wurden stark verallgemeinernd auf die Dynamiken im russischen Teilungsgebiet zurückgeführt (Markiewicz 2004: 26). Im russischen Teilungsgebiet bot der Januaraufstand 1863, als ein nicht nur auf einen politischen Umbruch hinweisendes Geschehen, auch für die literarische Welt eine klare Markierung (Miłosz 2010: 329–333). Darüber hinaus fand der literarische Positivismus hier eine institutionelle Basis und Verortung (Borkowska 1999: 32–34). Der kultursoziologische Blick auf die polnische Literatur des 19. Jahrhunderts soll jedoch erweitert werden, da der Anfang des Positivismus nicht ausschließlich auf die polnische Erfahrung der Fremdherrschaft durch gleich drei Teilungsmächte – Russland, Preußen und Österreich – und mit den damit verbundenen Unabhängigkeitsbestrebungen zurückzuführen ist. Der Anfang des Positivismus erfolgte parallel zum Anbruch eines neuen Zeitalters in Europa, in dem konkurrierende Nationalismen aufkamen und die Industrialisierung begann. Betrachtet werden daher die Dynamiken im preußischen Teilungsgebiet, weil Preußen schon früh ein nationales Bewusstsein erlangte und eine führende Rolle in Bezug auf die Industrialisierung hatte, wodurch die politisch-ökonomischen Aspekte von besonderer Bedeutung für die dort lebende polnische Gemeinschaft wurden. Im Folgenden wird der Fokus auf das preußische...

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