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Das preußisch-polnische Verhältnis und der Positivismus

Eine kultursoziologisch-postkoloniale Revision

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Katarzyna Kostrzewska-Adam

Der Positivismus gilt als eine längst erschlossene Epoche. Die Erweiterung der literaturwissenschaftlichen Untersuchung um eine Anlehnung an den theoretischen Ansatz der kulturellen Hegemonie von Antonio Gramsci, die theoretischen Begriffe der Postkolonialen Theorie und das Konzept des literarischen Feldes von Pierre Bourdieu ermöglichte der Autorin jedoch einen neuen Zugang. Die Analyse fokussiert den Wechsel des Schreibstils vor dem Hintergrund des deutsch-polnischen Nationenkonflikts. Neben der Neubetrachtung der Genese des Positivismus, bietet dieses Buch einen tiefen Einblick in die Geschichte der deutsch-polnischen Beziehung in ihrem frühen Stadium und zeigt eine große gesellschaftliche Relevanz für das heutige Verhältnis.

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3. Analyse literarischer Texte

3. Analyse literarischer Texte

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Die vorangegangenen Teiluntersuchungen liefern wichtige Erkenntnisse über die deutsch-polnische Beziehung als kultursoziologischer Hintergrund der polnischen Literatur in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die Anwendung des Konzeptes der kulturellen Hegemonie von Antonio Gramsci veranschaulichte, dass die entstandenen Herrschaftsverhältnisse zwischen dem preußischen Staat und der polnischen Minderheit alle staatlichen und parastaatlichen Bereiche durchdrangen, einschließlich des kulturellen Bereichs, zu dem auch die Literatur gehört. Es wurde deutlich, wie konkrete politisch-gesellschaftliche Zusammenhänge für die polnische Literatur prägend wurden. Mit dem Instrumentarium der postkolonialen Theorie wurde die preußische Herrschaft über die polnische Nation hinterfragt und das preußisch-polnische Verhältnis als eine quasikoloniale Beziehung bestimmt. Es wurden diskursive Selbst- und Fremddarstellungen, die aus dem preußisch-polnischen Verhältnis resultierten, erkannt sowie die mit ihnen einhergehenden Implikationen und eine Identitätsveränderung der polnischen Nation. Es wurde ersichtlich, dass die polnische Literatur in das quasikoloniale Verhältnis zwischen Preußen und Polen eingebunden und zum Träger eines Gegendiskurses wurde. Die Anlehnung an das Konzept des literarischen Feldes von Pierre Bourdieu ermöglichte eine Fokussierung der Wechselwirkung zwischen dem polnischen Literaturbereich und seinem preußisch-deutschen Konterpart. Diese Beobachtung ließ die Entwicklung der polnischen Literatur als Manifestation der Differenz, d.h. als Distinktion, erkennen. Die Anwendung aller drei Methoden resultierte in einer perspektivenreichen soziologisch motivierten Untersuchung der Genese des Positivismus. Mit jeder Teiluntersuchung wurde zwar jeweils nur eine spezielle Ebene fokussiert, sei es die politisch-gesellschaftliche/zivilgesellschaftliche, die kulturelle oder die literarische Ebene. Im Zusammenspiel wurde aber der Kern der...

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