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Grammatik und Ideologie

Feminisierungsstrategien im Russischen und Polnischen aus Sicht der Wissenschaft und Gesellschaft

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Edited By Dennis Scheller-Boltz

Dieses Buch beleuchtet das Verhältnis von Grammatik und Ideologie im Russischen und Polnischen. Anhand der Regeln und Normen, die die sprachliche Darstellung von Geschlecht – insbesondere des weiblichen Geschlechts – bestimmen, illustriert der Autor, wie Sprachnormen durch Autoritäten festgesetzt werden, wie Sprachnormen über die Gesellschaft hinweg bestehen bleiben, aber auch wie Sprachnormen durch die Gesellschaft verändert werden können. Im Fokus stehen dabei die Fragen: Wie weit ist die Feminisierung des Russischen und Polnischen fortgeschritten? Welche sprachpolitischen und sprachplanerischen Maßnahmen werden gegenwärtig zur Gewährleistung einer geschlechtergerechten Sprache erhoben? Ist die russische und polnische Gesellschaft überhaupt offen für eine Feminisierung der Sprache? Es zeigt sich: Der Gebrauch sowie die Ablehnung von Feminativa beruhen auf Ideologien – ein Phänomen, dem für gewöhnlich sehr vorsichtig begegnet wird und das im Zusammenhang mit den in einer Gesellschaft vorherrschenden Standpunkten und Bewertungen diskutiert werden muss. Dabei spielen Feminativa im Russischen und Polnischen eine wesentlich größere Rolle als in der Regel gedacht. Feminativa sind auch nicht so ungewöhnlich, wie gemeinhin behauptet. Vielmehr lässt sich feststellen: Ideologien wirken sich auf die Normierung von Sprache und damit auf die Möglichkeiten aus, wie Sprache geschlechtergerecht gestaltet wird – oder eben nicht.

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1.4 Sprachideologien im Geschlechterkontext

1.4 Sprachideologien im Geschlechterkontext

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The lay belief appears to be that we put meaning into words, send them to our interlocutor or reader, and s/he takes the meaning out of the word(s). [...] [I]f you are a competent user of a language, you know what a word really means. Meaning is resident in it. [...] Meanings are coupled with words. [...] The meaning of a word is clear [...]. Word meaning is, or should be, in principle, discrete and clear. Only incompetent language users, or some circumstances external to the language users, make meaning unclear, or fuzzy. Meaning beyond the human being, existing in some form in the highly abstract space, is clear; [...] meaning, or meanings, of a word is/are, in principle, clear, definable, learnable, and stable, that is, should not change. [...] Language does not work the way many lay language users believe it does. One such misconception is that meaning is resident in words, in some abstract sense, rather than imputed to words by real people. Another is that reality is simple and handled best in terms of two-valued binary oppositions such as ‘good’ and ‘bad’, ‘smart’ and ‘stupid’, ‘tall’ and ‘short’, rather than that reality is highly complex and diversified, and should be talked about in multi-valued, non-binary terms (Janicki 2011: 68-74).

Es ist nicht die Sprache, die vorgibt, was mündlich und schriftlich gesagt werden kann und darf bzw. was unter bestimmten Bedingungen und in bestimmten Kontexten angemessen oder unangemessen erscheint. Sprache ist als Medium an sich nicht ideologisch. Stattdessen wird...

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