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Grammatik und Ideologie

Feminisierungsstrategien im Russischen und Polnischen aus Sicht der Wissenschaft und Gesellschaft

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Edited By Dennis Scheller-Boltz

Dieses Buch beleuchtet das Verhältnis von Grammatik und Ideologie im Russischen und Polnischen. Anhand der Regeln und Normen, die die sprachliche Darstellung von Geschlecht – insbesondere des weiblichen Geschlechts – bestimmen, illustriert der Autor, wie Sprachnormen durch Autoritäten festgesetzt werden, wie Sprachnormen über die Gesellschaft hinweg bestehen bleiben, aber auch wie Sprachnormen durch die Gesellschaft verändert werden können. Im Fokus stehen dabei die Fragen: Wie weit ist die Feminisierung des Russischen und Polnischen fortgeschritten? Welche sprachpolitischen und sprachplanerischen Maßnahmen werden gegenwärtig zur Gewährleistung einer geschlechtergerechten Sprache erhoben? Ist die russische und polnische Gesellschaft überhaupt offen für eine Feminisierung der Sprache? Es zeigt sich: Der Gebrauch sowie die Ablehnung von Feminativa beruhen auf Ideologien – ein Phänomen, dem für gewöhnlich sehr vorsichtig begegnet wird und das im Zusammenhang mit den in einer Gesellschaft vorherrschenden Standpunkten und Bewertungen diskutiert werden muss. Dabei spielen Feminativa im Russischen und Polnischen eine wesentlich größere Rolle als in der Regel gedacht. Feminativa sind auch nicht so ungewöhnlich, wie gemeinhin behauptet. Vielmehr lässt sich feststellen: Ideologien wirken sich auf die Normierung von Sprache und damit auf die Möglichkeiten aus, wie Sprache geschlechtergerecht gestaltet wird – oder eben nicht.

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2.3 Geschlecht / Gender: zum Prinzip des Doing und Undoing Gender

2.3 Geschlecht / Gender: zum Prinzip des Doing und Undoing Gender

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Russisch

Немцы голосовали за социал-демократов.

Polnisch

Polacy bardzo szybko się zintegrowali.

In seiner Funktion als soziostrukturelle Einheit dient das Genus dem Strukturierungs- und Ordnungsprinzip innerhalb einer Gesellschaft, es ist jedoch gleichzeitig eine relevante Strukturierungs- und Ordnungsgröße in der Sprache und beeinflusst sowohl die Kommunikation allgemein als auch die Wahrnehmung und Konstruktion von Identität(en). Generell gilt es also zunächst einmal grundsätzlich zu verneinen, dass das Genus in irgendeinem Verhältnis zur Semantik steht oder auf Semantik beruht, da es sich hierbei lediglich um ein Klassifikationsparameter innerhalb der substantivischen Gruppe handelt. Allerdings gilt es im Bereich der Personenbenennungen zu bedenken, dass der Semantik hier, v.a. in Bezug auf Denk- und Wahrnehmungsprozesse, eine große Bedeutung zukommt, denn Personenbenennungen werden im Zuge der Referenz oder allein aufgrund von Geschlechter- und Rollenstereotypen mit bestimmten Geschlechtergruppen in Zusammenhang gebracht, sodass sich die Semantik, hier verstanden als sexus-basierte Semantik, in diesen Fällen kognitiv auswirkt. Folglich nimmt es nicht weiter wunder, dass maskuline Formen primär mit männlichen Personen assoziiert und nicht geschlechtsneutral wahrgenommen werden.

Sociocultural gender is not a matter of the sexual division of people into female and male as such, what people typically mean by ‘natural’ gender, but of the significance attached to that division, the institutions and ideologies, the prescribed and claimed identities, and the array of social practices that sustain those institutions, ideologies, and identities.

(McConnell-Ginet 2014: 3)

Gender (russ: гендер; poln: gender) ist nun...

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