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Grammatik und Ideologie

Feminisierungsstrategien im Russischen und Polnischen aus Sicht der Wissenschaft und Gesellschaft

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Edited By Dennis Scheller-Boltz

Dieses Buch beleuchtet das Verhältnis von Grammatik und Ideologie im Russischen und Polnischen. Anhand der Regeln und Normen, die die sprachliche Darstellung von Geschlecht – insbesondere des weiblichen Geschlechts – bestimmen, illustriert der Autor, wie Sprachnormen durch Autoritäten festgesetzt werden, wie Sprachnormen über die Gesellschaft hinweg bestehen bleiben, aber auch wie Sprachnormen durch die Gesellschaft verändert werden können. Im Fokus stehen dabei die Fragen: Wie weit ist die Feminisierung des Russischen und Polnischen fortgeschritten? Welche sprachpolitischen und sprachplanerischen Maßnahmen werden gegenwärtig zur Gewährleistung einer geschlechtergerechten Sprache erhoben? Ist die russische und polnische Gesellschaft überhaupt offen für eine Feminisierung der Sprache? Es zeigt sich: Der Gebrauch sowie die Ablehnung von Feminativa beruhen auf Ideologien – ein Phänomen, dem für gewöhnlich sehr vorsichtig begegnet wird und das im Zusammenhang mit den in einer Gesellschaft vorherrschenden Standpunkten und Bewertungen diskutiert werden muss. Dabei spielen Feminativa im Russischen und Polnischen eine wesentlich größere Rolle als in der Regel gedacht. Feminativa sind auch nicht so ungewöhnlich, wie gemeinhin behauptet. Vielmehr lässt sich feststellen: Ideologien wirken sich auf die Normierung von Sprache und damit auf die Möglichkeiten aus, wie Sprache geschlechtergerecht gestaltet wird – oder eben nicht.

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2.2.2 Genus – Sexus – Gender

2.2.2 Genus – Sexus – Gender

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Mit Szobers Grammatikwerk aus dem Jahre 1953 liegt eine Universitätsausgabe zur polnischen Grammatik vor (wydanie uniwersyteckiej Gramatyki języka polskiego). D.h., dass die für die vorliegende Analyse erforderlichen Qualitätskriterien erfüllt sind und dass das Grammatikwerk insgesamt zitierfähig ist. Es handelt sich bei diesem Werk um eine wissenschaftliche Ausgabe zur pol←289 | 290→nischen Grammatik, die vom polnischen Ministerium für Bildung und Forschung angenommen und gefördert wurde (1953: IV, vgl. auch 1923: V).

Die Gramatyka języka polskiego ist ein Universitätshandbuch (podręcznik uniwersytecki), das für eine breite Zielgruppe konzipiert und bestimmt ist, wobei der Autor grammatikalische Kenntnisse und einen soliden Umgang mit der polnischen Sprache für die Lektüre seines Grammatikwerkes voraussetzt (1953: VII). Primär richtet sich das Handbuch an (polnische, also muttersprachliche) Studierende und Dozierende der Polonistik, jedoch ist es ebenso der breiten Öffentlichkeit gewidmet, also insgesamt den Personen, die sich für theoretische – aber durchaus auch praktische – Fragestellungen zur polnischen Sprache interessieren und sich mit diesen näher auseinandersetzen (wollen bzw. müssen). Aus diesem Grunde ist das Grammatikwerk in seinem Aufbau und Inhalt explizit an ein philologisches Studium angepasst und soll Studierende durch ihr Studium, in erster Linie durch ihr Polonistik-Studium begleiten (1953: VIII).

Szobers Gramatyka języka polskiego ist ein normativ-präskriptives Grammatikwerk, welches jedoch einen stark deskriptiven Charakter hat. Folglich ist Szober darauf bedacht, die polnische Sprache zu pflegen, standardsprachliche grammatikalische Strukturen zu vermitteln und auf ein korrektes Polnisch hinzuweisen,...

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