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Weltanschauung und Textproduktion

Beiträge zu einem Verhältnis in der Moderne

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Edited By Anna S. Brasch and Christian Meierhofer

Weltanschauungen haben zwischen 1850 und 1945 in Deutschland Konjunktur. Als philosophische, wissens- und wissenschaftshistorische Diskursangebote reagieren sie im Prozess der Moderne auf entstehende Synthesemängel, auf Ganzheitsverluste und auf das, was zeitgenössisch schlicht ‚Zersetzung‘ heißt. Vor diesem Hintergrund entsteht ein Korpus an Texten, das sich nicht unter dem Rubrum der ‚Weltanschauungsliteratur‘ allein fassen lässt. Die hier versammelten Studien widmen sich der Heterogenität und Transformation weltanschaulicher Textproduktion. Dabei liegen die Schwerpunkte auf diskurs- und konzeptgeschichtlichen Voraussetzungen, auf Gattungskonventionen und Darstellungsformen, auf buch-, medien- und theatergeschichtlichen Praktiken sowie auf der Reflexivität, Reichweite und Schließung des Diskurses.

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Verbreitungswege und Formgebung sozialistischer Weltanschauung. Friedrich Bosse und die dramatische Abteilung des Leipziger Arbeitervereins (Sebastian Speth)

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Sebastian Speth

Verbreitungswege und Formgebung sozialistischer Weltanschauung. Friedrich Bosse und die dramatische Abteilung des Leipziger Arbeitervereins

Abstract: Using the example of the Leipzig workers’ educational association the article examines how the socialist world-view is disseminated at the end of the 19th century. With regard to Wilhelm Liebknecht’s speeches, the co-founder of the Social Democratic Party of Germany, it is shown how the socialist world-view is provided with scientific argumentation patterns and how the Leipzig workers redeem a derived educational mission. This is done by way of magazines, amateur theatre and festival plays.

Keywords: socialism, educational labor organisations, workers’ theatre, festival play, social democratic Darwinism, amateur dramatics

1 Wilhelm Liebknecht, die sozialistische Weltanschauung und die Naturnotwendigkeit der Arbeiterbildung

„Jeder Arbeiterverein ist ein Reis der modernen Kultur, gepflanzt in den Weinberg der Menschheit“.1 Gleichermaßen pathetisch und sich christliche Metaphorik anverwandelnd eröffnet am 22. Oktober 1871 der Mitbegründer der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Wilhelm Liebknecht seine Festrede Zu Trutz und Schutz auf dem Stiftungsfest des Crimmitschauer Volksvereins.2 Mit Liebknecht hat der Verein nicht nur einen der führenden sozialdemokratischen Vordenker zum Festredner gewonnen, sondern zugleich einen Experten für die Lage der Arbeitervereine. Schon 1849 wurde Liebknecht Präsident der deutschen Arbeitervereine und engagiert sich ab 1865 gemeinsam mit August Bebel im Arbeiter-Bildungsverein in Leipzig, das sie zur „sozialdemokratischen ←357 | 358→Hauptstadt Bebel-Liebknechtscher Richtung“ verwandeln.3 Er kann sich daher auf eigene Erfahrungen berufen, wenn er in jedem Arbeiterverein bereits in der...

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