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Weltanschauung und Textproduktion

Beiträge zu einem Verhältnis in der Moderne

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Edited By Anna S. Brasch and Christian Meierhofer

Weltanschauungen haben zwischen 1850 und 1945 in Deutschland Konjunktur. Als philosophische, wissens- und wissenschaftshistorische Diskursangebote reagieren sie im Prozess der Moderne auf entstehende Synthesemängel, auf Ganzheitsverluste und auf das, was zeitgenössisch schlicht ‚Zersetzung‘ heißt. Vor diesem Hintergrund entsteht ein Korpus an Texten, das sich nicht unter dem Rubrum der ‚Weltanschauungsliteratur‘ allein fassen lässt. Die hier versammelten Studien widmen sich der Heterogenität und Transformation weltanschaulicher Textproduktion. Dabei liegen die Schwerpunkte auf diskurs- und konzeptgeschichtlichen Voraussetzungen, auf Gattungskonventionen und Darstellungsformen, auf buch-, medien- und theatergeschichtlichen Praktiken sowie auf der Reflexivität, Reichweite und Schließung des Diskurses.

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Stürze vom Dachfirst. Frank Wedekinds Totentanz/Tod und Teufel (1905) – ein Versuch über Weltanschauungen (Christian Schienke)

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Christian Schienke

Stürze vom Dachfirst. Frank Wedekinds Totentanz/Tod und Teufel (1905) – ein Versuch über Weltanschauungen

Abstract: Frank Wedekind’s one-act-play Totentanz/Tod und Teufel (1905) gives an early and radical example of dramatic form within the ‘Weltanschauungsdiskurs’ around 1900. The piece holds the potential to turn ideological thinking into an object of literary reflection. At the same time, it becomes clear that this shift from a literature expressing specific world-views (‘Weltanschauungen’) to a literature reflecting the general structures of world-views is not limited to the novel, as Horst Thomé has pointed out, but also takes place in the development of drama at the turn of the century. Hence, Wedekind’s play represents a special case of ‘Weltanschauungsliteratur’, since the text abstains from offering any ideological orientation to its audience.

Keywords: Frank Wedekind, turn of the century 1900, one-act-play, ideological thinking, sexuality discourse, discursive practices, literary experiment

1 Vier Thesen

Der vorliegende Aufsatz soll die folgenden vier Thesen zu Frank Wedekinds Einakter Totentanz/Tod und Teufel belegen, der erstmals 1905 in Karl Kraus’ Fackel erschien:1

(1) Totentanz/Tod und Teufel ist zwar kein Weltanschauungsdrama, aber doch ein Drama, das die diskursiven Praktiken2 des weltanschaulichen Denkens seiner Zeit zum Gegenstand hat.

(2) Diese Praktiken werden in Totentanz/Tod und Teufel einer literarischen Versuchsanordnung ausgesetzt. Diese legt offen, dass das weltanschauliche Denken zwar eine (womöglich sogar notwendige) Funktion erfüllt, im Wesentlichen aber auf der Verleugnung einer Aporie beruht: Funktional ist es,...

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