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Weltanschauung und Textproduktion

Beiträge zu einem Verhältnis in der Moderne

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Edited By Anna S. Brasch and Christian Meierhofer

Weltanschauungen haben zwischen 1850 und 1945 in Deutschland Konjunktur. Als philosophische, wissens- und wissenschaftshistorische Diskursangebote reagieren sie im Prozess der Moderne auf entstehende Synthesemängel, auf Ganzheitsverluste und auf das, was zeitgenössisch schlicht ‚Zersetzung‘ heißt. Vor diesem Hintergrund entsteht ein Korpus an Texten, das sich nicht unter dem Rubrum der ‚Weltanschauungsliteratur‘ allein fassen lässt. Die hier versammelten Studien widmen sich der Heterogenität und Transformation weltanschaulicher Textproduktion. Dabei liegen die Schwerpunkte auf diskurs- und konzeptgeschichtlichen Voraussetzungen, auf Gattungskonventionen und Darstellungsformen, auf buch-, medien- und theatergeschichtlichen Praktiken sowie auf der Reflexivität, Reichweite und Schließung des Diskurses.

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Weltkrieg – Weltanschauung – Welttheater. Medienreflexion und Gegenwartskonstitution in Karl Kraus’ Die letzten Tage der Menschheit (Christian Meierhofer)

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Christian Meierhofer

Weltkrieg – Weltanschauung – Welttheater. Medienreflexion und Gegenwartskonstitution in Karl Kraus’ Die letzten Tage der Menschheit

Abstract: The article examines Karl Kraus’s voluminous drama Die letzten Tage der Menschheit (The Last Days of Mankind) with regard to its critical reflections on contemporary media and news discourses. Kraus creates a textual network by compiling a huge amount of newspaper articles and installing bits and pieces of different narrations during the First World War. Thus, the dramatic form not only refreshes the early modern metaphors of theatrum mundi and theatrum belli, but also reveals several disfunctions of modern media, language and society, which means its own present and contemporaneity.

Keywords: world-view, tragedy, theatrum mundi, First World War, newspaper theory, Karl Kraus

Zu den kultur- und wissenschaftsgeschichtlichen Bilanzierungsversuchen, die ab dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts verstärkt unternommen werden, gehören in auffälliger Weise solche Buchtitel, die auf ‚die letzten Tage‘ einer historischen Persönlichkeit, eines wissenschaftlichen Konzepts oder eines epochalen Zeitabschnitts rekurrieren. Solche Schreibprojekte sind häufig Teil der populären Gedächtnisbildung und einer modernetypischen, auch imaginations- und ideengeschichtlichen Vereinnahmung von ‚Größe‘, ‚Ruhm‘ oder ‚Heldentum‘.1 Dementsprechend wollen die Publikationen wahlweise „ein historisches Resumé“2 zeitgenössischer Theoriebildung sein, an „die Sitten und Gebräuche jener früheren Civilisation“3 wie im antiken Pompeji und an die Erfolge ihrer wissenschaftlichen Erschließung erinnern oder, wie Conrad Ferdinand Meyer ←453 | 454→im Zuge der Reichsgründung gegenüber Ulrich von Hutten,...

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