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Ideologiekritik und Wirkungsgeschichte

Ausgewählte Essays

Series:

Michael Dallapiazza

Dieses Buch versammelt eine Reihe von Essays, die vorrangig in deutscher Literatur Konstellationen nachgehen, in denen sich Fragen der Wirkungsgeschichte mit ideologiekritischen Intentionen der Werke verbinden lassen. Wirkungsgeschichte ist auf die hermeneutische Philosophie Hans-Georg Gadamers bezogen, Ideologiekritik auf die Vorstellung Theodor W. Adornos. Kunstwerke besäßen „ihre Größe einzig daran, daß sie sprechen lassen, was die Ideologie verbirgt". Die Beiträge behandeln sowohl mittelalterliche als auch zeitgenössische Literatur.

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3 Das Essensmotiv und die Entdeckung der Körperlichkeit in der Literatur des Mittelalters – Drei Beispiele

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Abstract: An drei Episoden mittelaterlicher Literatur aus unterschiedlichen Epochen wird beispielhaft beschrieben, wie dem Motiv des Essens als Ausdruck von Körperlichkeit narrative und poetologische Funktionen zugewiesen werden.

Keywords: Steinmar, Herbstlied. Wolfram von Eschenbach, Parzival. Heinrich Wittenwiler, Der Ring. Body. Körperlichkeit

Essen und Trinken ist in mittelalterlicher Literatur, in Literatur generell, zwar nur selten zentrales narratives oder poetisches Motiv, ist aber in vormodernen Texten weiter verbreitet, als es die eher spärlichen Forschungsarbeiten dazu vermuten ließen.1 Des Themas hat sich in den letzten Jahrzehnten vor allem die Historische Anthropologie angenommen, die angesichts von literarischen Werken einen der empirischen Literaturwissenschaft ähnlichen Zugang sucht, also Literatur weniger vom Text her bestimmen will, sondern sie als System sozialen Handelns begreift.2 Die Frage nach narrativer Inszenierung oder ästhetischer ←39 | 40→Funktion tritt dann meist hinter die Suche nach höfischer Überformung des Essaktes zurück. Das körperlich-kreatürliche Ereignis interessiert weniger, als Schilderungen beispielsweise der Exklusivität.3 Diese Forschungstendenz gab bereits 1986 Joachim Bumke in seiner wegweisenden Höfischen Kultur4 vor. Unter diesen Prämissen wird der Blick auf die Hauptfunktionen der gemeinsamen Mahlzeit gerichtet, auf die Darstellung höfisch-verbindlicher Rituale, auf die Demonstration von Macht, auf Repräsentation und Prachtentfaltung, mit der die adelige Gesellschaft sich von den anderen sozialen Schichten abzugrenzen trachtet.5

Sehr eng hängen diese Sichtweisen mit einem spezifischen Körperbegriff zusammen, der ebenfalls seit einigen Jahrzehnten, wenn auch zuletzt weniger dominant, die mediävistische Diskussion mitbestimmt hat. In...

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