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Ideologiekritik und Wirkungsgeschichte

Ausgewählte Essays

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Michael Dallapiazza

Dieses Buch versammelt eine Reihe von Essays, die vorrangig in deutscher Literatur Konstellationen nachgehen, in denen sich Fragen der Wirkungsgeschichte mit ideologiekritischen Intentionen der Werke verbinden lassen. Wirkungsgeschichte ist auf die hermeneutische Philosophie Hans-Georg Gadamers bezogen, Ideologiekritik auf die Vorstellung Theodor W. Adornos. Kunstwerke besäßen „ihre Größe einzig daran, daß sie sprechen lassen, was die Ideologie verbirgt". Die Beiträge behandeln sowohl mittelalterliche als auch zeitgenössische Literatur.

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7 Hans Sachs und Boccaccio. Überlegungen zu einer rezeptionsgeschichtlichen Systematik

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Abstract: Die ungewöhnlich starke Rezeption der Werke Boccaccios in Deutschland ist noch immer nicht ausreichend erforscht. Eine besondere Rolle dabei spielt der sogenannte und in seiner Bedeutung noch nicht überzeugend ausgelotete Handwerkerdichter Hans Sachs in Nürnberg. In allen von ihm gepflegten Textarten greift er auf Boccaccio zurück. Der Beitrag will eine erste Übersicht dieser Rezeption und ihrer möglichen Systematik leisten.

Keywords: Rezeptionsgeschichte. Sangspruchdichtung. Hans Sachs. Boccaccio. Reformation. Gebrauchsliteratur

Lässt man einmal vor allem die ungewöhnlich frühe Übertragung der Griseldis-Novelle (Dec. X,10) durch Ehrhart Groß (1432) außer acht, die allerdings auf der lateinischen Version Petrarcas basierte,1 beginnt die produktive, wenn auch noch verhaltene deutsche Boccaccio-Rezeption mit den in jeder Hinsicht bahnbrechenden Übersetzungen Arigos (Decamerone, gedruckt frühestens 1476)2 ←117 | 118→und Heinrich Steinhöwels (De mulieribus claris, 1474)3. Steinhöwel hatte schon zwischen 1461 und 1464 eine ästhetisch höchst anspruchsvolle Übertragung der Griseldis verfasst, ebenfalls nach einer lateinischen Übersetzung Petrarcas.4 Erst spät wurde dann auch De casibus virorum illustrium verdeutscht, das gleichwohl schon vom Beginn des 15. Jahrhunderts an in Deutschland handschriftlich gut verbreitet war.5

Trotz verschiedener Ansätze der Forschung lässt sich bislang kein verlässliches Bild der Boccaccio-Rezeption der Folgezeit, vor allem des ganzen 16. Jahrhunderts geben, auch nicht zu Hans Sachs alleine.6 Boccaccio scheint jedoch eine ←118 | 119→sehr breite Aufnahme gefunden zu haben, wobei allerdings seine Werke kaum als Einheit rezipiert wurden, auch wenn...

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