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Ideologiekritik und Wirkungsgeschichte

Ausgewählte Essays

Series:

Michael Dallapiazza

Dieses Buch versammelt eine Reihe von Essays, die vorrangig in deutscher Literatur Konstellationen nachgehen, in denen sich Fragen der Wirkungsgeschichte mit ideologiekritischen Intentionen der Werke verbinden lassen. Wirkungsgeschichte ist auf die hermeneutische Philosophie Hans-Georg Gadamers bezogen, Ideologiekritik auf die Vorstellung Theodor W. Adornos. Kunstwerke besäßen „ihre Größe einzig daran, daß sie sprechen lassen, was die Ideologie verbirgt". Die Beiträge behandeln sowohl mittelalterliche als auch zeitgenössische Literatur.

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12 Ulrike Draesner: Nibelungen. Heimsuchung

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Abstract: Der Beitrag untersucht Draesners lyrische Nibelungenbearbeitung, in der sie auf poetische Weise historischer Subjektivität nachspüren will, die dem modernen Subjekt Zugangsmöglichkeiten zum alten Werk bieten. Damit betreibt sie eine Entmythisierung des Stoffes und verkörpert damit eine wichtige Gegenbewegung zu aktuellen Remythisierungsversuchen des Nibelungenstoffes.

Keywords: Nibelungenlied. Rezeptionsgeschichte. Gender. Historische Subjektivität

2002 wurden in Worms die Nibelungenfestspiele „wiederbelebt“, und will man deren Internetauftritt (http://www.nibelungenfestspiele.de/nibelungenfestspiele/chronik/Geschichte-der-Festspiele.php) Glauben schenken, so hat bald danach in Deutschland eine regelrechte Nibelungenrenaissance eingesetzt. Ganz so ist es nun sicherlich nicht, aber die neue Aufmerksamkeit, die dem Stoff, der Sage, dem Nibelungenlied selbst seit einigen Jahrzehnten entgegengebracht wird, ist beträchtlich. Dass diese Spiele nun zu einem „Event“ geworden sind, aufgeführt auf einer Freilichtbühne direkt vor dem Dom, ein „respektabler Publikumsmagnet“ wie die FAZ schon 2004 zugestehen musste, sollte auf jeden Fall zu denken geben. Für viele Jahre zeichnete der für Fernseh-Massenunterhaltung bekannte Dieter Wedel dort verantwortlich. Was gezeigt wurde, waren vorrangig mehr oder weniger bearbeitete Inszenierungen des hebbelschen Trauerspiels, sowie verschiedene Fassungen des Nibelungenstücks von Moritz Rinke, der Hebbel teilweise wörtlich übernimmt. Die homepage der Festspiele spricht von einer Vision, die am Anfang stand, nämlich das mittelalterliche Werk und den „Originalschauplatz“ (sic!) wieder einem breiten Publikum bekannt zu machen.

Ist es wirklich vorstellbar, das deutsche Publikum hätte dieses „mittelalterliche“ Werk lange nach der Nazizeit plötzlich wieder entdeckt, nachdem es natürlich pflichtschuldig entnazifiziert worden war?1 Haben...

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