Show Less
Restricted access

Ideologiekritik und Wirkungsgeschichte

Ausgewählte Essays

Series:

Michael Dallapiazza

Dieses Buch versammelt eine Reihe von Essays, die vorrangig in deutscher Literatur Konstellationen nachgehen, in denen sich Fragen der Wirkungsgeschichte mit ideologiekritischen Intentionen der Werke verbinden lassen. Wirkungsgeschichte ist auf die hermeneutische Philosophie Hans-Georg Gadamers bezogen, Ideologiekritik auf die Vorstellung Theodor W. Adornos. Kunstwerke besäßen „ihre Größe einzig daran, daß sie sprechen lassen, was die Ideologie verbirgt". Die Beiträge behandeln sowohl mittelalterliche als auch zeitgenössische Literatur.

Show Summary Details
Restricted access

15 Unter heidnisch-katholischem Himmel. Thomas Manns Dialektik der Reformation unter italienischem Blickwinkel

Extract

Abstract: In Thomas Manns Doktor Faustus erscheint eine kritisch-dialektische Darstellung der Reformation, die mit den politischen Linien in Verbindung gebracht werden, die zum Nationalsozialismus geführt haben. Italien erscheint in seinem Katholizismus als wirklich humanistische Kultur.

Keywords: Doktor Faustus. Reformationskritik. Thomas Manns Italienbild. Deutschtum. Nationalsozialismus

Thomas Mann und Italien ist als Thema von solcher Präsenz in der Forschungsliteratur, dass man glauben sollte, alles sei ausgereizt. Hier soll es auch nicht um eine Variation der beliebten Frageansätze gehen, die allerdings, bei genauerem Hinsehen, nur wenig Brauchbares erzeugt haben.1 Denn in den meisten Fällen vermischen sich biographische Fakten, die es zu Italien natürlich gibt, mit dem Italien in den Werken Thomas Manns. Da werden Briefe herangezogen um Erzählungen „besser“ interpretieren zu können, und auf die Beschreibung der Faszination, die Italien vor der Jahrhundertwende in Thomas Mann (wie auch in seinem Bruder Heinrich) während verschiedener und längerer Reisen ausgelöst hätten, folgen die Hinweise, alles habe sich dann doch wieder bald gelegt, aber diese belegt man dann gerne mit Sätzen literarischer Figuren. Dass Thomas Mann von Italien bald genervt war, das sollen Zeilen wie diese etwa beweisen:

Gott, gehen sie mir doch mit Italien, Lisaweta! Italien ist mir bis zur Verachtung gleichgültig! Das ist lange her, daß ich mir einbildete, dorthin zu gehören. Kunst, nicht wahr? Sammetblauer Himmel, heißer Wein und süße Sinnlichkeit . . . Kurzum, ich mag das nicht. Ich verzichte. Die ganze bellezza...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.