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Ideologiekritik und Wirkungsgeschichte

Ausgewählte Essays

Series:

Michael Dallapiazza

Dieses Buch versammelt eine Reihe von Essays, die vorrangig in deutscher Literatur Konstellationen nachgehen, in denen sich Fragen der Wirkungsgeschichte mit ideologiekritischen Intentionen der Werke verbinden lassen. Wirkungsgeschichte ist auf die hermeneutische Philosophie Hans-Georg Gadamers bezogen, Ideologiekritik auf die Vorstellung Theodor W. Adornos. Kunstwerke besäßen „ihre Größe einzig daran, daß sie sprechen lassen, was die Ideologie verbirgt". Die Beiträge behandeln sowohl mittelalterliche als auch zeitgenössische Literatur.

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19 Viola Roggenkamps Roman Die Frau im Turm

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Abstract: Roggenkamps von großem Formbewusstsein getragener Roman spielt zwar im 18. Jahrhundert, ist aber als Kommentar zum jüdischen Leben in Deutschland nach 1945 zu verstehen. Historisch verbürgte Tatsachen zum Leben der Mätresse Augusts des Strarken erscheinen gleichwohl als Fiktion, die dem Buch seine poetische Kraft gibt.

Keywords: Literatur der Nachwendezeit. Jüdisch-deutsche Literatur. Jüdisches Leben in Deutschland nach Auschwitz. August der Starke. Antisemitismus

Welche Strömungen, Krisensituationen, Ängste oder Einflüsse haben das Bild der deutschen Literatur nach 1989 also geprägt? So uneinheitlich einerseits und von teilweise völlig neuen Themen und Motiven andererseits das literarische Feld nach der Wende auch sich darstellte, es gab durchaus Themen, die Kontinuität bewahrten, bisweilen auch unerwünschte, und derer man sich gar, vergeblich allerdings, zu entledigen suchte. So hätte sich mancher gerne definitiv von der deutschen Grundfrage verabschiedet, vor deren Klärung an das Entstehen einer neuen deutschen Identität aber nicht zu denken wäre: Zum Unabgegoltenen deutscher Geschichte gehört noch immer zuallererst Auschwitz. Es ist dies das Thema, welches das geteilte Deutschland und damit die geteilte deutsche Kultur und Literatur auch vor 1989 einte, nolens volens. Und es ist das Thema, welches das wie auch immer im Alltag vereinigte Deutschland nach 1989 verbindet, nolens volens, und vielleicht in Zukunft wirklich einmal in einer neuen Identität zu einen vermag.

Dazu gehört freilich auch die Frage nach dem Standort und dem Stellenwert des J...

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