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Ideologiekritik und Wirkungsgeschichte

Ausgewählte Essays

Series:

Michael Dallapiazza

Dieses Buch versammelt eine Reihe von Essays, die vorrangig in deutscher Literatur Konstellationen nachgehen, in denen sich Fragen der Wirkungsgeschichte mit ideologiekritischen Intentionen der Werke verbinden lassen. Wirkungsgeschichte ist auf die hermeneutische Philosophie Hans-Georg Gadamers bezogen, Ideologiekritik auf die Vorstellung Theodor W. Adornos. Kunstwerke besäßen „ihre Größe einzig daran, daß sie sprechen lassen, was die Ideologie verbirgt". Die Beiträge behandeln sowohl mittelalterliche als auch zeitgenössische Literatur.

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20 Ulrike Draesners Sieben Sprünge vom Rand der Welt

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Abstract: Draesners Roman gelingt es, die Themen Vertreibung deutscher Bürger nach 1945, deutsche Schuld und Aussöhnung auf glaubhafte Weise in einem einzigartigen Roman zu behandeln und diese mit dem Thema der Traumataweitergabe einerseits sowie moderner Migration andererseits zu verbinden.

Keywords: Vertreibung nach 1945. Traumataweitergabe. Deutsche Schuld. Neurowissenschaft. Migration

Am 20. Februar 2014 erschien in der Zeit der viel beachtete und bald schon berüchtigte Rundumschlag Maxim Billers gegen die deutsche Gegenwartsliteratur. Was er genau sagen wollte, wurde nicht klar, aber es war ja als Provokation gedacht. Vieles darin war sicher bedenkenswert, und nützlich sind Provokationen am Ende immer. Ulrike Draesners Roman war da noch nicht erschienen, aber es wäre interessant darüber zu spekulieren, ob er dieses Buch, wie fast alle anderen, ebenfalls verdammt hätte. Denn vor Zaimoglu, Mosebach, die er nennt, und Lewitscharoff, die er nicht nennt, sind Sieben Sprünge vom Rand der Welt das literarische Ereignis des Frühlings, vielleicht des Jahres 2014. Ob Biller (dessen Werk nicht unbedingt all das zu erfüllen scheint, was er von der deutschen Literatur fordert) das auch so wahrgenommen hat, bleibt zwar sein Geheimnis, aber vielleicht wäre sein Urteil differenzierter ausgefallen, oder er hätte nicht so ohne Weiteres das Widersprüchliche in seinen Rezepten übersehen können, wäre ihm das Buch bekannt gewesen.

Warum die deutsche Gegenwartsliteratur so langweilig sei? Weil die Enkel der Nazigeneration noch immer bestimmten, was gelesen wird. Biller stört sich an...

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