Show Less
Restricted access

Sprachliche Höflichkeit bei Jugendlichen

Empirische Untersuchungen von Gebrauchs- und Verständnisweisen im Schulalter

Series:

Eva Neuland, Benjamin Könning and Elisa Wessels

Der Band präsentiert die Gesamtergebnisse des Wuppertaler DFG-Forschungsprojekts zu sprachlicher Höflichkeit bei Jugendlichen an der Schnittstelle von linguistischer Höflichkeits- und Jugendsprachforschung. Anhand von Tonaufzeichnungen in Unterrichts- und Pausensituationen und dem Einsatz von Fragebögen bei 1200 Jugendlichen und 170 Lehrkräften können ausgewählte Gebrauchs- und Verständnisweisen sprachlicher Höflichkeit und Unhöflichkeit bei Jugendlichen im Schulalter analysiert werden. Das Buch liefert insbesondere neue Erkenntnisse über Erscheinungsweisen jugendtypischer Höflichkeit und über soziolinguistische Differenzen zwischen Geschlechtern, Altersstufen und Schultypen sowie Adressatendifferenzierungen.

Show Summary Details
Restricted access

VI. Förderung sprachlicher Höflichkeit in Schule und Öffentlichkeit

Extract



1. Höflichkeit als Schlüsselkompetenz

1.1 Berufliche Anwendungsfelder

Allgemein gilt Höflichkeit als Schlüsselkompetenz in vielen beruflichen Anwendungsfeldern: „Gutes Benehmen“ wirkt als Eingangstor für fachliche Kompetenzen. Unter der Überschrift: „Grüßen statt Mathe“ berichtet die Süddeutsche Zeitung am 27.4.2015: „Gute Kopfnoten sind Betrieben wichtiger als fachliche Leistungen“ von einer empirischen Studie der beiden Soziologinnen Protsch und Solga: How Employers Use Signals of Cognitive and Noncognitive Skills at Labour Market Entry.71

1.2 Ratgeberliteratur

Die Bedeutsamkeit von Höflichkeit wird durch die nicht nachlassende Anzahl von Benimmkursen und Ratgeberliteratur nachdrücklich belegt. Die „Knigge“-Literatur steht nach wie vor hoch im Kurs.72 Titel wie: „Das Benimm-ABC. Knigge für junge Leute von heute“ (Griesbeck / Weinold 2004) oder: „Jugend-Knigge 2100: Knigge für junge Leute und Berufseinsteiger“ (Hanisch 2014) verweisen darauf, dass Höflichkeit hier als ein Verhaltenskodex vermittelt und so auf ein Inventar rezeptologischer Handlungsanweisungen reduziert wird: z.B.: „Straßenwörter“ zu vermeiden und die „Zauberwörter“ bitte und danke zu nutzen (nach Hanisch 2014: 56ff.).

Angesichts der zunehmenden Komplexität moderner Gesellschaften, z.B. durch erhöhte Mobilität und Nutzung neuer Medien, steigt aber zugleich auch der Beratungsbedarf an. Anonymität und Schnelligkeit des Internets haben zu einer verbreiteten „hate speech“-Debatte und in der Folge zu „Netikette“- Forderungen und Entwürfen geführt.

1.3 Höflichkeit in der interkulturellen Kommunikation

Im Zuge der zunehmenden Internationalisierung vieler Lebensbereiche hat...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.