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‚Gotische‘ Architektur in der russischen Literatur

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Edited By Tatjana Kantsavenka

Die vorliegende Untersuchung basiert auf der Relation zwischen Architektur und Literatur. Im Mittelpunkt der Betrachtung befindet sich das Syntagma ‚gotische Architektur‘ und deren Rezeption in der russischen Literatur. Der begriffsgeschichtlichen Herangehensweise annähernd stütz sich der Diskurs auf einen Textkorpus, dessen Bestandteile zwischen 1700 und dem Anfang des 20. Jh. entstanden. Die literarischen Werke wurden nach dem semantischen Wandel und der Funktion der ‚gotischen‘ Bauten befragt. Mithilfe kunsthistorischer Aspekte und eines vielschichtigen Ideen- bzw. Metaphergehalts zeigte sich, dass Begriffe komplexe Inhalte und weitreichende Interpretation in sich tragen können.

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4 Notizen über ‚gotische‘ Architektur in den russischen Reiseberichten

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Die Reiseliteratur hat eine lange Tradition, sodass die Reisedarstellung, welche sich zwischen Realität und Phantasie bewegt, bereits in der Zeit vor der Antike bekannt waren.193 Die soziale Rolle des Genres „definierte sich bis ins späte 18. Jahrhundert hinein in der Regel nicht durch seine literarische Qualität, sondern durch die Funktion der Vermittlung authentischer, durch Autopsie gewonnener Informationen.“194 Für die Zwecke der vorliegenden Arbeit sind die schriftlichen Überlieferungen über die Reisen russischer politisch-sozialer Funktionsträger des 18. Jahrhunderts ausschlaggebend, diese weisen des Öfteren eine enzyklopädische Form bzw. eine sachliche Auflistung einzelner Fakten auf.195

Es muss beachtet werden, dass Architekturbeschreibungen eine wichtige Komponente vieler Reiseberichte sind. Da die vorgefundene Architektur als Stadtbaukunst den Reisenden den ersten Eindruck der Orte lieferte, muss beachtet werden, dass es oftmals die ‚gotischen‘ Kirchtürme der westeuropäischen Großstädte waren, die ein russischer Reisender zuerst erblicken konnte. Es ist keine Seltenheit in der Reiseliteratur, dass die bekanntesten Bauwerke im Einzelnen beschrieben wurden, und so waren darunter auch ‚gotische‘ Bauten. Deshalb stellt sich die folgende Frage: Wenn ein russischer (russisch-orthodoxer) Reisender des 18. Jahrhunderts mit ‚gotischen‘ Bauformen konfrontiert wurde, nahm er diese auch als solche wahr und wie fixierte er diese schriftlich? Zu den kulturellen Komponenten, die die ästhetische Wahrnehmung beeinflussen, gehört auch der konfessionelle Unterschied, der einen schwerwiegenden Einfluss bei der Reflexion über das Gesehene ausübt. In der vorpetrinischen Zeit gab es kaum ←47 | 48→private Europareisen, die eine reflektierte Perspektive dieser geographischen...

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