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‚Gotische‘ Architektur in der russischen Literatur

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Edited By Tatjana Kantsavenka

Die vorliegende Untersuchung basiert auf der Relation zwischen Architektur und Literatur. Im Mittelpunkt der Betrachtung befindet sich das Syntagma ‚gotische Architektur‘ und deren Rezeption in der russischen Literatur. Der begriffsgeschichtlichen Herangehensweise annähernd stütz sich der Diskurs auf einen Textkorpus, dessen Bestandteile zwischen 1700 und dem Anfang des 20. Jh. entstanden. Die literarischen Werke wurden nach dem semantischen Wandel und der Funktion der ‚gotischen‘ Bauten befragt. Mithilfe kunsthistorischer Aspekte und eines vielschichtigen Ideen- bzw. Metaphergehalts zeigte sich, dass Begriffe komplexe Inhalte und weitreichende Interpretation in sich tragen können.

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5 Prosatexte mit den Motiven der ‚russischen‘ Architektur

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a. Nikolaj M. Karamzin und Vasilij N. Tatiščev

Lotman und Uspenskij legten in ihrem Beitrag356 den Beginn von Karamzins literarischen Erfolg auf den Pis’ma russkogo putešestvennika und das Ende auf die Istorija gosudarstva Rossijskogo357. Zwischen diesen beiden Werken entstanden zahlreiche andere seiner Arbeiten, wie z. B. die Erzählung Bednaja Liza358 (1792) und kurz darauf Ostrov Borngol’m359. Die zwölfbändige Geschichte des Russischen Reiches repräsentiert Karamzins Wirken vor allem als Historiker.360 Als die wichtigsten literarischen Vorgänger für Karamzins Arbeit galten die Werke Istorïja Rossïjskaja ot drevnějšich vremjan361 von Michail M. Ščerbatov (1733–1790) und Istorïja Rossïjskaja s samych drevnějšich vremen362 von Vasilij N. Tatiščev (1686–1750). Beide Quellen dienten für Karamzin des Öfteren als ←77 | 78→Grundlage und Orientierung während seines Arbeitsprozesses.363 Sobald diese Werke einer näheren Betrachtung unterzogen werden, kann festgestellt werden, dass vor allem bei Tatiščev bereits eine sehr ausgeprägte Verwendung von ‚gotisch‘ (sowohl ‚gotičeskij‘ als auch ‚gotskij‘ in verschiedenen Kontexten364) vorhanden war. Tatiščev arbeitete beim Verfassen mit westeuropäischen Schriften. Diese Tatsache schlug sich auch in seinem Gebrauch des Begriffes ‚gotisch‘ nieder. Er legte ihn spezifisch ethnisch aus: zum einem als ‚gotische Sprache‘365 und zum anderen als direkte Bezeichnung der Stämme.366 Im Zusammenhang mit architektonischen Bauwerken (wie in Karamzins Briefen) tritt ‚gotisch‘ bei ihm nicht auf.

Ėjdel’man stellte die Einzigartigkeit des Karamzinschen Geschichtswerkes in erster Linie auf...

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