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‚Gotische‘ Architektur in der russischen Literatur

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Edited By Tatjana Kantsavenka

Die vorliegende Untersuchung basiert auf der Relation zwischen Architektur und Literatur. Im Mittelpunkt der Betrachtung befindet sich das Syntagma ‚gotische Architektur‘ und deren Rezeption in der russischen Literatur. Der begriffsgeschichtlichen Herangehensweise annähernd stütz sich der Diskurs auf einen Textkorpus, dessen Bestandteile zwischen 1700 und dem Anfang des 20. Jh. entstanden. Die literarischen Werke wurden nach dem semantischen Wandel und der Funktion der ‚gotischen‘ Bauten befragt. Mithilfe kunsthistorischer Aspekte und eines vielschichtigen Ideen- bzw. Metaphergehalts zeigte sich, dass Begriffe komplexe Inhalte und weitreichende Interpretation in sich tragen können.

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6 ‚Gotisch‘ in ästhetischen Überlegungen

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a. 19. Jahrhundert

Das ‚Nachdenken‘ über das Ästhetische führte ab dem späten 18. Jahrhundert zu einigen wissenschaftlich-theoretischen Überlegungen über den Terminus ‚gotisch‘ und leitet damit eine Ausbildung des Fachbegriffes ‚gotisch‘ ein. Wenn man dabei repräsentativ an die Entwicklung im deutschsprachigen Raum denkt, so muss auf folgende Personen verwiesen werden: Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling (1775–1854) und seine Vorlesungen über Philosophie der Kunst (veröffentlicht erst 1859 aus dem Nachlass)592, August Wilhelm von Schlegel (1767–1845), der zwischen 1801 und 1804 in Berlin der Öffentlichkeit die Vorlesungen über schöne Literatur und Kunst präsentierte und sein Werk Die Kunstlehre (1801–1802),593 wie auch die zwischen 1820 und 1829 gehaltene Vorlesungen über Ästhetik bzw. Philosophie der Kunst594 von Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770–1831). Es zeigt sich anhand der aufgeführten Werke, dass sich die Prozesse der Reflexion über ‚gotisch‘ in den 1820er Jahren rapide entfalteten. In Russland lassen sich hingegen die ersten nennenswerten Versuche in der Mitte der 1820er Jahre feststellen.

I. Aleksandr I. Galič, Petr Ja. Čaadaev, Nikolaj V. Gogol’ und Nikolaj I. Nadeždin

Aleksandr I. Govorov (1783–1848), der in die russische Literaturgeschichte unter dem Namen Aleksandr I. Galič einging, ließ 1825 in Petersburg seine Schrift Opyt nauki izjaščnago595 edieren. Sein eigenes Gedankengut wurde maßgeblich ←129 | 130→von den Vertretern der deutschen Strömungen geprägt,596 die er größtenteils namentlich im Vorwort seiner Abhandlung aufführt.597 Er bemühte...

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