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Genuss und Arbeit im Angestelltenroman

Von Irmgard Keun bis Elfriede Jelinek

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Lucas Alt

Ist ‚gutes Leben‘ im Kapitalismus möglich? Diese Frage verhandeln Angestelltenromane seit ihrer Entstehung zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die vorliegende Studie analysiert das Spektrum zwischen Müssen und Muße, Lust und Frust, Arbeit und freier Zeit vor dem Hintergrund einer allgegenwärtigen Verwertungsmoral. Die interdisziplinäre Darstellung verbindet dabei Ergebnisse der Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften und ermöglicht einen Einblick in die paradoxen Psychodynamiken moderner Arbeitsverhältnisse.

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3. Arbeit und Freizeit im Angestelltendiskurs des 20. und 21. Jahrhunderts

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Im nun folgenden Kapitel möchte ich einen Überblick zum Diskurs der geistigen Arbeit im zurückliegenden Jahrhundert geben. Dabei werde ich vor allem auf drei besonders wichtige Entwicklungslinien eingehen: Zunächst (3.1) werde ich besprechen, wie geistige Arbeit im beginnenden 20. Jahrhundert zum Massenphänomen werden konnte und eine neue, nicht unumstrittene Gesellschaftsschicht, die der Angestellten, auf der Bildfläche erschien. Anschließend (3.2) werde ich zeigen, wie diese Schicht ihre Hochphase in der Mitte des zurückliegenden Jahrhunderts vollzog und maßgeblich für die modernen Produktionsverhältnisse des Fordismus werden konnte. Schließlich (3.3) werde ich den Blick auf den Umstand richten, dass das Angestelltenverhältnis unter dem Eindruck eines zunehmend postfordistischen Produktionsregimes als kohärente Kategorie der Beschreibung geistiger Arbeit allmählich in Auflösung begriffen ist, während es jedoch als mentale Größe im kollektiven Gedächtnis fortbesteht und die Erscheinungsformen geistiger Arbeit weiter zu prägen vermag.54 Die Schwerpunkte dieser Darstellung korrespondieren dabei nicht zufällig mit den Krisenkonstrukten der späten 1920er und frühen 1930er Jahre, der 1970er Jahre und der Jahre nach 2007, nehmen diese doch, wie oben dargestellt, einerseits bezeichnende Explikationen und Extrapolationen der bestehenden Phänomene herrschender Produktionsverhältnisse sowie andererseits auch in die Zukunft weisende (utopische) Modifikationen ebendieser Phänomene vor.

Wenn es stimmt, dass Freizeitverhalten sich an der Struktur von Arbeit orientiert55 und Konsumpraktiken ebenso Ausdruck der herrschenden Produktionsverhältnisse sind wie die Produktion,56 geben Veränderungen in Arbeitsorganisation und -selbstverst...

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