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Genuss und Arbeit im Angestelltenroman

Von Irmgard Keun bis Elfriede Jelinek

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Lucas Alt

Ist ‚gutes Leben‘ im Kapitalismus möglich? Diese Frage verhandeln Angestelltenromane seit ihrer Entstehung zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die vorliegende Studie analysiert das Spektrum zwischen Müssen und Muße, Lust und Frust, Arbeit und freier Zeit vor dem Hintergrund einer allgegenwärtigen Verwertungsmoral. Die interdisziplinäre Darstellung verbindet dabei Ergebnisse der Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften und ermöglicht einen Einblick in die paradoxen Psychodynamiken moderner Arbeitsverhältnisse.

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5. Irmgard Keun: „Gilgi. Eine von uns“ – Sinnlichkeit als Last und Hindernis

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Irmgard Keuns Roman „Gilgi. Eine von uns“435 (1931) kann aufgrund seiner Popularität und intensiven Rezeption als repräsentatives Beispiel, ja sogar Referenz der frühen Angestelltenliteratur bezeichnet werden. Besonders interessant im Hinblick auf Ästhetiken von Sinnlichkeit, Lust und Genießen erscheint Keuns Werk vor seinem epochenspezifischen Hintergrund der Neuen Sachlichkeit.436 Gerade die Betonung von rationaler Reflexion, Gefühlsmanagement und Emanzipation macht „Gilgi“ zu einem Text, der die Auseinandersetzung mit den zentralen Kategorien eines hedonistischen Lebensstils im Sinne einer klugen Lebens- und Seelenführung wagt.

Die Krise der Hauptfigur Gilgi sowie die Spannungen innerhalb ihres Beziehungsgeflechts vermögen dabei einige zentrale soziokulturelle Krisenbezüge eines zwischen Progression und Rückschritt schwankenden Deutschlands in der Zwischenkriegszeit repräsentativ abzubilden. Als markantes Beispiel kann hier der Diskurs um die Neue Frau angeführt werden, die, durch Gilgi in nahezu jeder Hinsicht verkörpert,437 sofort den Blick auf grundlegende Veränderungen in der Ordnung interpersonalen Genießens lenkt.

Unter anderem ergeben sich hieraus interessante Fragen nach Struktur und Regelwerk ‚neuen‘ und ‚alten‘ Genießens. Arbeitsleitende Fragen nach der Ästhetik von Lust und Genießen könnten daher lauten: Wem gestattet der Text das Genießen, wem verwehrt er es, wer also darf, soll oder muss sogar genießen, wer nicht und warum? Wie, wann und unter welchen Umständen wird Lust erlebt? Wie wird genossen und was macht Genuss aus? Welchen Umgang und welche Haltungen pflegen Figuren und Erzähler ←131 | 132→zur Lust? Welche...

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