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Migration und Zuwanderung

Literarische, soziologische, ökonomische und sprachliche Aspekte

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Edited By Maria K. Lasatowicz and Andrea Rudolph

Im Sommer 2015 erinnerten sich Deutsche daran, dass Deutsche nach 1933 in neue Heimaten aufbrechen mussten. Auch trat zutage, dass ältere Deutsche kollektive Erinnerungen noch einmal erlebten: die Erinnerung daran, am Ende des Krieges mit 12 Millionen weiteren selbst als Flüchtling unterwegs gewesen zu sein. Dennoch schlug das helle Sommermärchen von 2015 in Deutschland und in Österreich sehr schnell in schwarze Prophetien um.

Der Band präsentiert literarische, ökonomische und soziale Aspekte der Migration. Die Herausgeberinnen sind überzeugt, dass der analytische Blick auf die verschiedensten historisch-politischen Konstellationen, seien diese literarisiert oder faktologisch, helfen wird, die jüngsten Probleme und Erfahrungen in einem schärferen Licht zu sehen. Sie setzen damit gegenwärtiger Aufgeregtheit eine Spannungsbewältigung durch geschichtliche Bildung entgegen.

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Postemanzipatorischer Antisemitismus in Wien. Ferdinand Wilhelm Bronners Komödie „Schmelz, der Nibelunge“: Andrea Rudolph

Andrea Rudolph

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Abstract: Ferdinand Wilhelm Bronners „Schmelz, der Nibelunge“ comedy (1905) reflects anti-Semitism and anti-Slavism in Vienna around 1900. The main character suffers painfully from the inner conflict between her German-national identification and her Jewish descent. The author of the comedy converted to Protestantism and denied all his life his Jewish heritage. The aim is to clarify whether the Galician Jew and writer Ferdinand Bronner offers on stage a solution to the Jewish question that transcends racial anti-Semitism and Zionism beyond the seemingly opposite tendencies in time.

Keywords: Galicia, Racism in the student associations in Vienna, Jewish question, German nationalism, tragicomedy

Der 1867 zur Zeit der österreichisch-ungarischen Monarchie geborene jüdische Junge Elisier Freivel Bronner, der als Sohn eines Rabbiners im Schtetl von Auschwitz aufgewachsen war, wurde während seiner Wiener Studienjahre, er studierte Germanistik und Philosophie in Wien und Berlin, der Arier Ferdinand Wilhelm Bronner (Pseud. Franz Adamus). Bronner trat 1886 aus der mosaischen Glaubensgemeinschaft aus und konvertierte 1887 zum evangelischen Glauben.1 Dass Bronner zum protestantischen und nicht zum in Wien überwiegenden katholischen Glauben übertrat, mag mit der Attraktivität des politischen Programms des Berliner Hofpredigers Alfred Stoecker zusammenhängen. Wiewohl Antisemit, argumentierte Stoecker frei von völkischem oder rassischem Eifertum. War ein Jude konvertiert, war er „vollwertiger“ Staatsbürger.2 Bronner, der in Wien tatsächlich mit den Deutschnationalen sympathisiert hatte, unterrichtete als Dr. Ferdinand Bronner ab 1896 in Jägerndorf (heute Krnov, Tschechische Republik) als Lehrer. Aus seiner Ehe mit Martha Schelle gingen zwei Kinder hervor....

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