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Untersuchungen zum Urslavischen: Einleitende Kapitel, Lautlehre, Morphematik

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Georg Holzer

Gegenstand dieses Buches ist das um ca. 600 n. Chr. gesprochene Urslavische. Nach der historischen und geographischen Einordnung und der Bestimmung der soziolinguistischen Funktion dieser Sprache behandelt das Buch theoretisch und empirisch die Frage ihrer Einheitlichkeit. Es folgt die hauptsächlich auf die Lehnbeziehungen des mittelalterlichen Slavischen gestützte Rekonstruktion der Phonetik des Urslavischen und der Lautung und Akzentuierung urslavischer Wörter. Danach werden Bereiche der Morphologie des Urslavischen, insbesondere der Wortbildung, detailliert behandelt, wobei im Wesentlichen auf die Methoden der „generativen Phonologie" zurückgegriffen wird. Auch da wird die urslavische Akzentologie konsequent mitberücksichtigt.

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III. Die Einheitlichkeit des Urslavischen

III. DIE EINHEITLICHKEIT DES URSLAVISCHEN

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Sprachen sind miteinander (genetisch) verwandt, wenn es irgendwann einmal eine Zeit gegeben hat, in der sie noch eine einzige Sprache waren117. Diese einzige Sprache bezeichnet man als die Ursprache der miteinander verwandten Sprachen. Eine Ursprache ist per definitionem einheitlich, denn sonst wäre sie ja nicht „eine einzige Sprache“, sondern zwei Sprachen, drei Sprachen oder wie viele Sprachen auch immer. Eine uneinheitliche Ursprache wäre eine contradictio in adiecto118. Wie viel Flexibilität und Spielraum für regionale, soziale, individuelle und sonstige Präferenzen Ursprachen eingeräumt werden darf, ohne dass ihre Einheitlichkeit fraglich wird, kann zwar diskutiert werden, ist aber eine Frage, die nicht nur Ursprachen betrifft, sondern sich immer stellt, wenn es gilt, Sprachen zu definieren, zu zählen oder voneinander abzugrenzen119.

Nota bene: In der genetischen Linguistik, in der diese Fragen zu erörtern sind, sind die Ausdrücke „Sprache“ und „Dialekt“ synonym und daher miteinander austauschbar. Im vorangehenden Absatz könnte man also an die Stelle von „Sprache“ überall auch den Ausdruck „Dialekt“ setzen. Siehe H96a: 27.

Die Einheitlichkeit von Ursprachen ergibt sich aber nicht nur aus logischen Zwängen – und übrigens auch aus Ockhams Rasiermesser: entia non sunt multiplicanda praeter necessitatem120, wobei hier die entia die fraglichen Dialekte des Urslavischen sind121 –, sondern auch aus den im Folgenden dargelegten linguistischen Überlegungen.

Wenn in einer Zusammenstellung semantisch vereinbarer Wörter122 verschiedener Sprachen rekurrente Laut-Entsprechungen festgestellt werden können, also solche, die auch in anderen derartigen Wortzusammenstellungen aufscheinen, dann besteht zwischen den...

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