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Untersuchungen zum Urslavischen: Einleitende Kapitel, Lautlehre, Morphematik

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Georg Holzer

Gegenstand dieses Buches ist das um ca. 600 n. Chr. gesprochene Urslavische. Nach der historischen und geographischen Einordnung und der Bestimmung der soziolinguistischen Funktion dieser Sprache behandelt das Buch theoretisch und empirisch die Frage ihrer Einheitlichkeit. Es folgt die hauptsächlich auf die Lehnbeziehungen des mittelalterlichen Slavischen gestützte Rekonstruktion der Phonetik des Urslavischen und der Lautung und Akzentuierung urslavischer Wörter. Danach werden Bereiche der Morphologie des Urslavischen, insbesondere der Wortbildung, detailliert behandelt, wobei im Wesentlichen auf die Methoden der „generativen Phonologie" zurückgegriffen wird. Auch da wird die urslavische Akzentologie konsequent mitberücksichtigt.

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V. MORPHEMATIK

V. MORPHEMATIK

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§ 1. Einleitung

Ein urslavisches Morphem wie auch ein urslavisches Morph ist entweder ein Suffix oder ein Präfix oder ein Infix194 oder ein Interfix oder eine Endung oder etwas, was in der Linguistik zweideutige oder umständliche Namen hat wie „Lexem“ oder „lexikalisches Morphem“ und was ich daher lieber mit einem neuen und eindeutigen Terminus benennen möchte; ich schlage „Hauptmorphem“ vor.

Wenn ein Morphem welcher Art auch immer von Alternation betroffen ist, stellt sich die Frage, welches seiner Allomorphe man auswählen soll, wenn es einfach nur darum geht, das Morphem anzuführen oder zu identifizieren. Die sich auf der phonetischen Ebene abwechselnden Allomorphe könnten ja alle mit gleichem Recht den Anspruch erheben, der Repräsentant des Morphems zu sein und als solcher die anderen Allomorphe mitzuvertreten. In einer solchen Lage empfiehlt es sich, die phonetische Ebene zu verlassen und sich auf eine andere Ebene zu begeben, auf der jedes urslavische Morphem in einer einzigen, allgemeingültigen und alternationslos in alle Positionen einsetzbaren Gestalt aufscheint. Freilich muss diese einzige Gestalt so gestaltet sein, dass sich von ihr aus alle Allomorphe in ihren unterschiedlichen Lautungen wiederherstellen lassen und so weder Wirklichkeit verfälscht noch Information getilgt wird. Diese andere, nicht phonetische Ebene soll „Morphematik“ heißen und Gegenstand dieses Kapitels sein.195

Allomorphe sind Morphe, die ein und dasselbe Morphem verkörpern und somit zwangsläufig dieselbe Bedeutung haben, also dieselbe Mitteilung bringen. Morphe bestehen aus Lauten in einer beliebigen Anzahl, die auch null...

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