Show Less
Restricted access

Et in Arcadia ego. Rom als deutscher Erinnerungsort

Series:

Edited By Joanna Jabłkowska and Karolina Sidowska

Dieses Buch bezeugt eine fortwährende Faszination für die Ewige Stadt, nicht nur in vergangenen Epochen der Klassik und Romantik, sondern auch in der zeitgenössischen deutschsprachigen Literatur – unter anderen bei Wolfgang Koeppen, Ingeborg Bachmann, Rolf Dieter Brinkmann, Hanns-Joseph Ortheil, Uwe Timm und Josef Winkler. Rom bleibt ein wichtiges Ziel für (Bildungs-)Reisen, Ort für Stipendienaufenthalte (Villa Massimo) und ist stets Quelle der abendländischen Kultur im europäischen Bewusstsein. Die Auseinandersetzung mit dieser Tradition, vor allem mit Goethes kulturprägenden Bildern aus der Italienischen Reise, mit der realen Stadtlandschaft und ihrer Ikonographie in der Pop-Kultur verläuft in der Gegenwartsliteratur oft kritisch und dient nicht zuletzt der Reflexion über eigene private oder nationale Ansprüche und Identitäten.

Show Summary Details
Restricted access

„Treten, Schritte, Sehen: klack, ein Foto!: Gegenwart eingefroren.“ Arkadien (sex)touristisch reloaded in Rolf Dieter Brinkmanns Rom, Blicke: (Gudrun Heidemann)

Extract

Gudrun Heidemann

Abstract: Ähnlich wie bei VALIE EXPORT haben wir es bei den Fotografien in Rolf Dieter Brinkmanns Rom, Blicke samt ihrer teils indirekten Kommentierung unter anderem mit einer (Re)Medialisierung dessen zu tun, was meist innerhalb pornografischer Nischen verbleibt. Hierdurch wird auf das gesellschaftliche Paradox einer zugleich zur Schau gestellten und verdeckten Sexualität verwiesen. Kontrastiv dazu stehen touristische Pfade und Postkarten sowie Rekurse auf Goethes literarisierte Italienreise. Auf diese Weise kreuzen sich Hoch- und Trivialkultur dergestalt, dass das römische Arkadien zugleich wortwütend angegriffen wie gerade durch fotografische Reproduktionen ‚reloaded‘ wird. Verbunden sind hiermit meist vergebliche Versuche, den touristischen Ansichtsvorgaben zu entkommen, sowie das Vorführen einer Doppelmoral, die Brinkmann unter anderem brieflich – seiner Frau sogar in Liebesbriefen – kommuniziert.

Schlüsselwörter: Rom, Rolf Dieter Brinkmann, Blick(wechsel), (Sex)Tourismus, Populärkultur, Pornografie, (Re)Medialisierung, Goethe, Fotografie, VALIE EXPORT

Provokationen, Auseinandersetzungen mit der Populärkultur, etwa mit gesellschaftlich tabuisierter, aber verborgen präsenter Pornografie, einen Hang zum Fotografischen als visuelle Spur und apparatives Zeugnis von Erlebtem, sogar das Geburtsjahr 1940 haben Rolf Dieter Brinkmann (1940–1975) und VALIE EXPORT1 gemeinsam. Zur Ikone der Aktionskünstlerin2 wurde neben dem ←179 | 180→Tapp und Tastkino als expanded cinema, bei dem 1968 ihre entblößten Brüste durch einen Griff in eine entsprechend umgeschnallte Kiste mit Vorhang manuell ertastet statt mit den Augen abgetastet werden konnten,3 ihre Performance Genitalpanik. Gleichfalls 1968 ging VALIE EXPORT mit einer im Schritt ausgeschnittenen Hose durch die Sitzreihen...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.