Show Less
Restricted access

Et in Arcadia ego. Rom als deutscher Erinnerungsort

Series:

Edited By Joanna Jabłkowska and Karolina Sidowska

Dieses Buch bezeugt eine fortwährende Faszination für die Ewige Stadt, nicht nur in vergangenen Epochen der Klassik und Romantik, sondern auch in der zeitgenössischen deutschsprachigen Literatur – unter anderen bei Wolfgang Koeppen, Ingeborg Bachmann, Rolf Dieter Brinkmann, Hanns-Joseph Ortheil, Uwe Timm und Josef Winkler. Rom bleibt ein wichtiges Ziel für (Bildungs-)Reisen, Ort für Stipendienaufenthalte (Villa Massimo) und ist stets Quelle der abendländischen Kultur im europäischen Bewusstsein. Die Auseinandersetzung mit dieser Tradition, vor allem mit Goethes kulturprägenden Bildern aus der Italienischen Reise, mit der realen Stadtlandschaft und ihrer Ikonographie in der Pop-Kultur verläuft in der Gegenwartsliteratur oft kritisch und dient nicht zuletzt der Reflexion über eigene private oder nationale Ansprüche und Identitäten.

Show Summary Details
Restricted access

Rom – vom Sehnsuchtsort Bildungsreisender zum Melting Pot gescheiterter europäischer Migrationspolitik?: (Heike Knortz)

Extract

Heike Knortz

Abstract: Rom ist seit Menschengedenken das Ziel divergenter Reiseströme und zugleich der Schnittpunkt unterschiedlicher Modalitäten des Reisens. Zunächst war es der europäische Adelige auf Erziehungsreise, anschließend der Bildungsreisende des aufstrebenden Bürgertums, der Rom zum Erinnerungsort in europäischen Kulturen werden ließ. Durch die weltgeschichtlichen Erinnerungshorizonte: Christentum, Antike und die durch Rom transformierte Philosophie der griechischen Antike konnte die ‚Ewige Stadt‘ nach 1945 zugleich zum Erinnerungsort europapolitischer Vision werden. Diese Vision wurde durch wichtige europäische Integrationsinitiativen italienischer Regierungen vorangetrieben, bis Italien am Ende des 20. Jahrhunderts zum fragilen Grenzposten Europas wurde. ‚Rom‘ scheint den modernen Reiseströmen seither nicht mehr gewachsen zu sein, dadurch seine integrative Kraft als europäischer Erinnerungsort zu verlieren und Europa in seiner bisherigen Form vielleicht sogar zu dekonstruieren.

Schlüsselwörter: Rom, Bildungsreise, Erziehungsreise, europäische Identität, europäische Einigung, europäische Migrationspolitik

Vor allem aus vier historischen Konstellationen schöpfte und schöpft jene sich wiederholende und zugleich stets verformende Memoria, für welche die Chiffre ‚Rom‘ steht und stand: die Stadt als Metropole des römischen Weltreichs, als Zentrum des lateinischen Westens bzw. der römischen Weltkirche, als von Künstlern, Wissenschaftlern und Bildungsreisenden bereistes und ersehntes Arkadien, als Hauptstadt des italienischen Nationalstaats und des faschistischen Imperiums.1

Michael Matheus, von dem dieses Zitat stammt, ließ hier auf fatale Weise die historische Konstellation der europäischen Einigung nach dem Zweiten Weltkrieg unerwähnt. Indem er die Memoria...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.