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Subjekt und Liminalität in der Gegenwartsliteratur

Band 8.2: Schwellenzeit – Gattungstransitionen – Grenzerfahrungen; Sergej Birjukov zum 70. Geburtstag

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Edited By Matthias Fechner and Henrieke Stahl

Liminalität ist ein Signum der Gegenwart. Die neuere Literatur, insbesondere die Lyrik, nimmt seismographisch liminale Phänomene der Gegenwart wahr und bildet vielfältige liminale Formen und Funktionen aus. Zentral betroffen ist das sprechende Subjekt, das in Transition versetzt wird: Zersetzung, Auflösung, Fluidität, aber auch Transparenz und Transformation öffnen seine Grenzen zum Anderen: zu den Mitmenschen, der Natur oder auch der Transzendenz. Der vorliegende Band vereint Aufsätze, die Liminalität in Bezug auf Schwellenzeit als conditio historiae der Gegenwart, auf Gattungstransitionen und auf Grenzerfahrungen des Subjekts behandeln. Der Schwerpunkt liegt auf russisch- und deutschsprachigen Gedichten. Darüber hinaus werden weitere slavische und ostasiatische Literaturen einzeln und komparatistisch behandelt sowie andere Gattungen, intermediale Formen und philosophische Perspektiven einbezogen.

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Divergenz der Vermögen in Zeiten geschichtlicher Überschwelligkeit. Günther Anders’ Gesellschaftskritik in Zeiten des Anthropozän

Divergenz der Vermögen in Zeiten geschichtlicher Überschwelligkeit. Günther Anders’ Gesellschaftskritik in Zeiten des Anthropozän

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Harald Schwaetzer (Bernkastel-Kues)

1958 reiste der Philosoph und Kritiker Günther Anders zu einem Antiatomkongress nach Japan.1 Bereits zuvor war er mit seiner radikalen These, dass die Menschheit durch die Atombombe in einem völlig neuen Zeitalter angekommen sei, in Erscheinung getreten, u.a. durch die „Gebote des Atomzeitalters“ in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 13.7.1957.2 Die grundlegenden Ideen hatte er im ersten Band seines Hauptwerks „Die Antiquiertheit des Menschen“ 1956 publiziert.3 Hiroshima und Auschwitz sind die Orte, von denen her das Denken von Anders bestimmt ist.4

Das, was Anders als Apokalypseblindheit5 beschrieben und kritisiert hat, also die Unfähigkeit, die Situation überhaupt so zu sehen, wie sie ist, und dann noch entsprechend zu handeln, hat sich im neuen Jahrtausend eher noch verstärkt. Die Gebiete sind nicht mehr nur die Atombombe, sondern auch Klimawandel, Umweltverschmutzung, Technikfolgen (Fukushima eingeschlossen), Erderwärmung, Migration, neuartige Formen von Internet- und Handelskriegen und vieles mehr. Wir haben in den letzten Jahren dafür den Namen des Anthropozän gefunden und verwendet. Diese Grundsituation sei im Folgenden reflektiert.

Denn dadurch hat sich der Grundgedanke von Anders verschoben. Die Bombe war für ihn das entscheidende überschwellige Ereignis. Den Ausdruck „überschwellig“ erklärt Anders geschichtlich und verweist z.B. auf den Untergang von Atlantis, der – wenn er stattgefunden hat – nicht in der Geschichte war, sondern in Geschichte nicht eingehen kann (AM I, 262). Von seiner Wahrnehmungsseite aus bedeutet es, dass solche Ereignisse jedes Verständnis „hinter sich lassen“ (AM I, 261).

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