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Subjekt und Liminalität in der Gegenwartsliteratur

Band 8.2: Schwellenzeit – Gattungstransitionen – Grenzerfahrungen; Sergej Birjukov zum 70. Geburtstag

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Edited By Matthias Fechner and Henrieke Stahl

Liminalität ist ein Signum der Gegenwart. Die neuere Literatur, insbesondere die Lyrik, nimmt seismographisch liminale Phänomene der Gegenwart wahr und bildet vielfältige liminale Formen und Funktionen aus. Zentral betroffen ist das sprechende Subjekt, das in Transition versetzt wird: Zersetzung, Auflösung, Fluidität, aber auch Transparenz und Transformation öffnen seine Grenzen zum Anderen: zu den Mitmenschen, der Natur oder auch der Transzendenz. Der vorliegende Band vereint Aufsätze, die Liminalität in Bezug auf Schwellenzeit als conditio historiae der Gegenwart, auf Gattungstransitionen und auf Grenzerfahrungen des Subjekts behandeln. Der Schwerpunkt liegt auf russisch- und deutschsprachigen Gedichten. Darüber hinaus werden weitere slavische und ostasiatische Literaturen einzeln und komparatistisch behandelt sowie andere Gattungen, intermediale Formen und philosophische Perspektiven einbezogen.

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Lyrik und die Grenzen der Sprache

Lyrik und die Grenzen der Sprache

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Rüdiger Zymner (Wuppertal)

In meinem Beitrag möchte ich der Frage nachgehen, ob und inwiefern Liminalität gattungskonstitutiv für Lyrik ist. Diese Frage scheint mir deshalb von Bedeutung zu sein, weil sie einen Anlass dazu bietet, noch einmal über generische Bestimmungen, Eigenheiten und Funktionen von Lyrik nachzudenken. Es scheint mir insofern eine wichtige Frage zu sein, als sie einer lyrikologischen Vergewisserung dienen könnte.

Ich möchte nun dafür argumentieren, dass Liminalität tatsächlich ein übergreifend gattungscharakterisierendes und insofern vielleicht sogar gattungskonstitutives Element der Lyrik ist. Lyrik bewegt sich nämlich nach meinem Eindruck immer, wenn es denn Lyrik ist, an den Grenzen der Sprache oder sogar jenseits dieser Grenzen, Lyrik befindet sich immer gattungskonstitutiv in einem sprachlichen ‘In-between’ oder sogar jenseits dieses schmalen Grades zwischen den konventionellen Zeichen und dem Bereich der sprachlichen Möglichkeiten, den manifesten Normierungen und den im System angelegten Optionen.

Um besser verdeutlichen zu können, was ich mit diesen Aussagen meine, muss ich klären bzw. erklären, wie ich die Ausdrücke Liminalität und Lyrik verwende. Zunächst einmal sollte bereits deutlich sein, dass es mir bei der Liminalität, die ich meine, um Liminalität im Bereich der Sprache geht und man vielleicht etwas dramatisierend formulieren könnte, dass Lyrik gattungskonstitutiv liminal sei, insofern sie sich immer im Grenzbereich von Sprache bewegt. Dabei sollte man allerdings nicht übersehen, dass der Ausdruck „Sprache“ in der Literaturwissenschaft im Allgemeinen und in der Lyrikologie...

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