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Subjekt und Liminalität in der Gegenwartsliteratur

Band 8.2: Schwellenzeit – Gattungstransitionen – Grenzerfahrungen; Sergej Birjukov zum 70. Geburtstag

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Edited By Matthias Fechner and Henrieke Stahl

Liminalität ist ein Signum der Gegenwart. Die neuere Literatur, insbesondere die Lyrik, nimmt seismographisch liminale Phänomene der Gegenwart wahr und bildet vielfältige liminale Formen und Funktionen aus. Zentral betroffen ist das sprechende Subjekt, das in Transition versetzt wird: Zersetzung, Auflösung, Fluidität, aber auch Transparenz und Transformation öffnen seine Grenzen zum Anderen: zu den Mitmenschen, der Natur oder auch der Transzendenz. Der vorliegende Band vereint Aufsätze, die Liminalität in Bezug auf Schwellenzeit als conditio historiae der Gegenwart, auf Gattungstransitionen und auf Grenzerfahrungen des Subjekts behandeln. Der Schwerpunkt liegt auf russisch- und deutschsprachigen Gedichten. Darüber hinaus werden weitere slavische und ostasiatische Literaturen einzeln und komparatistisch behandelt sowie andere Gattungen, intermediale Formen und philosophische Perspektiven einbezogen.

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Das poetische Subjekt von Sergej Birjukov als Akteur der „metahistorischen Avantgarde“

Das poetische Subjekt von Sergej Birjukov als Akteur der „metahistorischen Avantgarde“1

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Michail Pavlovec (HSE, Moskau)

Sergej Birjukov wird in seinen Gedichtbänden folgenderweise vorgestellt: „Dichter, Philologe, Theoretiker und Forscher der Avantgarde-Dichtung, Gründungspräsident der Zaum’-Akademie“.2 Zwischen diesen Statusformen des Autors gibt es keine klaren Grenzen: In seiner dichterischen Praxis realisiert Birjukov oft in einer Person die Rolle des Kritikers, Literaturwissenschaftlers und Popularisators experimenteller Dichtung. Er greift in seiner Kritiker- sowie Forschertätigkeit den dichterischen Diskurs auf und beendet umgekehrt seine Vorträge mit eigenen Gedichten. Die Verbindung des poetischen mit einem kritischen, wissenschaftlichen, sogar populärwissenschaftlichen und pädagogischen Vorgehen (oder die Umwandlung des einen in das andere) ist kein alleiniges Vorrecht Birjukovs. So wechseln die Gegenwartsdichter Vladimir Ėrl’, Sergej Sigej und Ry Nikonova, Aleksandr Bubnov, German Lukomnikov, Ivan Achmet’ev und viele andere zwischen Lyrik und Literaturwissenschaft und Herausgebertätigkeiten. Auch der umgekehrte Fall kommt häufig vor – Philologen wie Roman Jakobson, Vladimir Markov, Sergej Averincev, Michail Gasparov, Sergej Panov, Jurij Orlickij und andere haben wiederum Gedichte vorgelegt.

Doch das Beispiel von Sergej Birjukov weist einige Besonderheiten auf, die hier genauer in den Blick genommen werden sollen: Hinter seinen vielfältigen Aktivitäten steht die auktoriale Idee einer „metahistorischen Avantgarde“, die an den Begriff der „historischen Avantgarde“ von Igor Smirnov und Renata Döring-Smirnov3 anknüpft.

Birjukov fasst die „metahistorische Avantgarde“ nicht als kohärentes ästhetisches Programm, sondern macht sie zum Gegenstand verschiedener theoretischer Studien. Er entwirft immer wieder neue Bestimmungen, die sich in verschiedenen Aufsätzen verstreut finden. Seine ausführlichste Definition...

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